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Essen: Neue Chance für die Warenhaus AG

Essen : Neue Chance für die Warenhaus AG

René Benko will Karstadt rasch sanieren und 2016 mit dem Konkurrenten Kaufhof fusionieren. Zwei Warenhäuser in einer Stadt wird es dann kaum noch geben. Die Gewerkschaft Verdi mahnt ein tragfähiges Konzept an.

Der neue Karstadt-Eigentümer René Benko will die angeschlagene Warenhauskette innerhalb von ein bis zwei Jahren sanieren. Benkos Rettungsplan sehe vor, anhaltend verlustreiche Karstadt-Häuser zu schließen. 20 Häuser ständen auf dem Prüfstand. Attraktive Standorte sollten in Einkaufsmeilen mit Markenhändlern verwandelt werden. Und 2016 peile Benko dann die Fusion von Karstadt und Kaufhof an, berichtet das "Handelsblatt". Es wäre ein neuer Versuch, aus den beiden verbliebenen deutschen Warenhausketten eine Deutsche Warenhaus AG zu schmieden. Viele Anläufe hierzu waren in der Vergangenheit gescheitert.

Wie groß ist das Interesse der Beteiligten an der Warenhaus AG?

"Die Metro will Kaufhof schon seit circa sechs Jahren verkaufen, verlangt aber zu viel Geld, weil auch die Immobilien dazugehören", erklärt Thomas Roeb, Handelsexperte an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. "Da Kaufhof aber Gewinn abwirft, kann die Metro auch problemlos weitermachen wie bisher." Aus Benkos Sicht mache eine Fusion Sinn, weil er erhebliche Synergien heben könne, etwa im Bereich der Zentrale, und ein funktionierendes Konzept erhalte, dass er auf Karstadt übertragen könnte, so Roeb.

Denn beim Konkurrenten läuft es deutlich besser: Während bei Kaufhof von 100 eingenommenen Euro offenbar 48 Euro Deckungsbeitrag übrigbleiben, sind es bei Karstadt nur 40 Euro. Der Unterschied kostet Karstadt 200 Millionen Euro im Jahr. Benko kennt diese Zahlen genau: Er hatte in der Vergangenheit schon einmal den Kaufhof übernehmen wollen. Im Zuge der Verhandlungen hatten Dutzende Experten und Berater tagelang die Zahlen im Datenraum von Kaufhof geprüft. Am Ende blies die Kaufhof-Mutter Metro einen möglichen Verkauf ab.

Wie könnte ein solcher Zusammenschluss ablaufen?

"Benko würde wahrscheinlich wohl am liebsten alle angemieteten Karstadt-Warenhäuser außer den 16 Standorten, deren Immobilien er besitzt, an Kaufhof abgeben", sagt Gerrit Heinemann, Handelsexperte an der Hochschule Niederrhein. "Kaufhof dürfte sicherlich nur an 30 bis 40 funktionierenden Standorten interessiert sein." Das Problem mit den restlichen Karstadt-Häusern bliebe bestehen.

Was würde Benko mit diesen schwachen Standorten tun?

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"Da er meines Erachtens ebenso wenig wie Berggruen ein Interesse daran hat, groß in Karstadt selbst zu investieren, würde er seine eigenen Karstadt-Immobilien einfach nach dem österreichischen Vorbild in Einkaufszentren umwandeln", schätzt Heinemann. Bei den hoffnungslosen Fällen würde er in Kauf nehmen, dass er bei einer vorzeitigen Kündigung der Mietverträge Strafzahlungen leisten muss. Diese könne er sukzessive runterfahren und dann schließen.

Welche Folgen hätte dies für die betroffenen Städte?

"Solche Immobilien sind nur schwer vermietbar. Das sehen wir derzeit am Beispiel zahlreicher immer noch leerstehender Hertie-Filialen", so Heinemann. "Das führt dann gleich dazu, dass die gesamte Innenstadt unattraktiver wird." In NRW hat Karstadt 24 Warenhäuser, in zehn Städten gibt es Karstadt- und Kaufhof-Häuser.

Was sagen die Beschäftigten?

Eine Warenhaus AG sei nicht notwendig, sagt Arno Peukes, der für die Gewerkschaft Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat sitzt. "Natürlich ist der Markt für Warenhäuser begrenzt, aber durch den demografischen Wandel wird die Bevölkerung älter und damit der Bedarf für Warenhäuser wieder leicht steigen." Selbst wenn Häuser räumlich gegenüber liegen, müsse das nicht automatisch heißen, dass eines überflüssig sei. "Vielmehr müssen die Anbieter aufeinander abgestimmte, sich ergänzende Produktpaletten anbieten."

Hat das Warenhaus noch Zukunft?

"Das klassische Warenhauskonzept ist gescheitert", so das Urteil von Heinemann. Der Online-Händler Amazon werde in Deutschland in diesem Jahr mit rund 2,5 Milliarden Euro zusätzlichem Handelsvolumen auf den bestehenden Umsatz um so viel zulegen, wie Karstadt insgesamt an Umsatz vorweisen könne. "Wenn die Warenhäuser überleben wollen, müssen sie zusätzlich einen Online-Handel schaffen, der auch filial-unabhängig funktioniert, und sie müssen beides verknüpfen."

(RP)