Düsseldorf: Netzagentur will Laufzeit für Kohlekraftwerke verlängern

Düsseldorf: Netzagentur will Laufzeit für Kohlekraftwerke verlängern

Weil sie Stromengpässe nach der Energiewende befürchtet, fordert die Bundesnetzagentur längere Laufzeiten für vier Kohlekraftwerke in NRW. Wie aus einem Schreiben von Agenturchef Matthias Kurth an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hervorgeht, soll die Landesregierung die eigentlich schon für 2012 geplante Abschaltung der drei Blöcke in Datteln und des Kraftwerkes Shamrock in Herne verzögern. Alle vier Kraftwerke sind jeweils schon seit über 40 Jahren am Netz und stehen deshalb seit langem in der Kritik von Umweltschützern.

Regierungssprecher Thomas Breustedt sagte, die Landesregierung prüfe derzeit den Brief der Netzagentur und werde "zeitnah" das Gespräch mit Kurth suchen. Die Regierung lese den Brief nicht als Forderung nach einer Laufzeitverlängerung, sondern nur als Gesprächsvorschlag. Sollte sich der Weiterbetrieb aus Gründen der Versorgungssicherheit empfehlen, sei die Landesregierung flexibel.

Wie eine Sprecherin der Agentur sagte, seien nach der geplanten Abschaltung von deutschen Atomkraftwerken Stromengpässe zu befürchten. Wie aus einem internen Vermerk des Landesumweltministeriums hervorgeht, der unserer Zeitung vorliegt, fordert inzwischen auch der Kraftwerksbetreiber Eon eine rechtskräftige Genehmigung für die Laufzeitverlängerung und will notfalls dafür vor Gericht ziehen. Hintergrund: Ursprünglich hatte Eon die Abschaltung im Jahr 2012 selbst beantragt, um gesetzliche Auflagen zur Nachrüstung der Werke zu umgehen. Damals musste Eon allerdings noch davon ausgehen, dass der geplante Bau eines neuen Kraftwerkes in Datteln die Altanlagen eines Tages ersetzen würde. Inzwischen wurde der Kraftwerksneubau in Datteln aber gerichtlich gestoppt, weshalb Eon offenbar wieder Gefallen an den Alt-Kraftwerken gefunden hat. Rechtlich umstritten ist, ob es für eine Rücknahme des ursprünglichen Eon-Antrages auf Abschaltung nicht schon zu spät ist.

In dem internen Vermerk des Landesumweltministeriums heißt es: "Aus netztechnischer Sicht ist das Anliegen, das die Netzagentur nach Gesprächen mit Eon gestartet hat, nicht nachvollziehbar." Die drei Blöcke in Datteln dienten ausschließlich der Erzeugung von Bahnstrom. Auch gelte das Argument der fehlenden Erzeugungskapazitäten bundesweit nicht in gleicher Weise: Gerade in NRW seien Kraftwerkskapazitäten über den eigenen Verbrauch hinaus installiert. Datteln I-III könnten außerdem um ein Mehrfaches kompensiert werden durch neue Kraftwerke, die bereits im Bau seien. Das Problem von Stromengpässen nach der Abschaltung der deutschen Atomkraft bestehe "vielmehr im süddeutschen Raum, wo durch die Abschaltung eine jetzt schon enge Erzeugungsstruktur weiter geschwächt wird und damit möglicherweise in dieser Region die Stabilität des Netzes entscheidend beeinträchtigt wird."

(RP)
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