Nach dem Monsanto-Deal: Bayer streicht 12.000 Stellen

Stellenabbau : Bayer will 12.000 Stellen streichen

Nach dem Monsanto-Deal legt Bayer sein bisher größtes Sparprogramm auf, vor allem deutsche Standorte sind betroffen. Wirtschaftsminister und Bürgermeister sind alarmiert.

Vor allem in Zentralfunktionen wie der Verwaltung kommt es zum Kahlschlag: Hier sollen 5500 bis 6000 Stellen wegfallen. Damit dürfte die Zentrale in Leverkusen entsprechend betroffen sein. Genaue Zahlen nennt Bayer nicht. Weitere 4100 Stellen fallen in der Agrochemie (Crop Science) weg. In der Division rezeptfreie Arzneimittel (Consumer Health), die zum Sanierungsfall geworden ist, streicht Bayer 1100 Stellen. Aber auch Bayers Herzstück, das Geschäft mit rezeptpflichtiger Arznei, ist betroffen: Hier fallen in der Forschung 900 Stellen weg, unter anderem in Wuppertal.

Die Entscheidung im Aufsichtsrat fiel einstimmig, jedoch musste der Vorstand dafür weitreichenden Kündigungsschutz zusagen. „Die Pläne des Bayer-Vorstands sind eine bittere Pille für die Belegschaft sowie den Chemie- und Pharma-Standort Deutschland insgesamt“, sagte Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft IG BCE. Zugleich betonte er: „Wir haben durchgesetzt, dass die Beschäftigten bis Ende 2025 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt sind. Hinzu kommen Garantien für die Belegschaften in den zum Verkauf stehenden Tochterunternehmen.“

Und Bayer will einiges verkaufen: die Tiermedizin, das Geschäft mit Fußpflege (Dr. Scholl’s) und Sonnenschutz (Coppertone) sowie den Chemiepark-Betreiber Currenta, an dem Bayer 60 Prozent hält. Nach der Trennung von der Kunststoff-Tochter Covestro stehe die Nutzung der Dienstleistungen von Currenta in keinem Verhältnis mehr zum Besitzanteil, so Bayer.

Mit dem größten Sparprogramm in der Bayer-Geschichte versucht Konzern-Chef Werner Baumann, in die Offensive zu kommen. Seit der Monsanto-Übernahme hat sich der Börsenwert um ein Drittel reduziert, und Bayer fürchtet, ein Übernahmekandidat zu werden. Doch die Anleger konnte er nicht überzeugen. Die Aktie fiel am Donnerstag um ein Prozent auf knapp 64 Euro. Zugleich betonte Baumann: „Wir sind uns der Tragweite der Entscheidungen für unsere Mitarbeiter bewusst und werden sie verantwortungsvoll umsetzen.“ Darauf pocht auch Oliver Zühlke, Chef des Gesamtbetriebsrats: „Es kommen nur faire und sozialverträgliche Lösungen infrage.“

Die Politik ist gleichwohl alarmiert. „Das sind keine guten Nachrichten für unseren Standort. Es ist davon auszugehen, dass Nordrhein-Westfalen stark vom Abbau der Arbeitsplätze betroffen sein wird“, warnte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). „Die Entscheidungen treffen das Herz von Bayer, das seinen Ursprung als pharmazeutisches Unternehmen in Wuppertal hat.“ Nun komme es darauf an, möglichst viele künftige Investitionen nach NRW zu holen. „Ich habe die Nachricht mit Besorgnis zur Kenntnis genommen“, sagte Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD). Immerhin sei der Verzicht auf Kündigungen vereinbart worden. Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) geht weiter: „Ich halte es für ein Unding, dass die Bayer AG ihr internationales Geschäft auf dem Rücken der deutschen Beschäftigten ausbaut.“

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