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Frankfurt: Muss man sich vor Blackrock fürchten?

Frankfurt : Muss man sich vor Blackrock fürchten?

Die US-Gruppe verwaltet ein Vermögen von umgerechnet 4,1 Billionen Euro - mehr als das deutsche Bruttoinlandsprodukt.

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben auch den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock durchgeschüttelt. Im dritten Quartal 2015 fuhr das Unternehmen 843 Millionen Dollar (rund 737 Millionen Euro) Nettogewinn ein, acht Prozent weniger als im Vorjahr. Analysten hatten indes mit einem kräftigeren Rückgang gerechnet. Auch bei Blackrock selbst zeigte man sich zufrieden. Angesichts des Börsencrashs in China und der vielen weiteren Unsicherheiten wurde die Bilanz von Blackrock sehr aufmerksam gelesen.

Beobachter hatten befürchtet, dass der an hunderten Unternehmen beteiligte Riese ins Wanken kommen könnte. Das ist nicht passiert. An der Börse wird Blackrock mit umgerechnet 45 Milliarden Euro bewertet. Das verwaltete Vermögen ist mit 4,7 Billionen Dollar (4,1 Billionen Euro) etwa 100 Mal so hoch, eine Billion größer als das deutsche Bruttoinlandsprodukt. Und noch ein Vergleich: Alle Deutschen gemeinsam haben 1,3 Billionen Euro in Fonds angelegt.

Die Rechenspiele zeigen: Es könnte gefährlich werden, würde sich Blackrock verspekulieren. Ein Börsenbeben wäre programmiert. Blackrock, so heißt es, sei systemrelevant. Deshalb fordern viele Kritiker schärfere Kontrollen für den Finanzriesen. Die Autorin Heike Buchter bezeichnete Blackrock jüngst in einem Buch als "geheime Weltmacht". US-Milliardär Carl Icahn nennt das Unternehmen "extrem gefährlich".

"Banken werden extrem streng reguliert, was grundsätzlich nach der Finanzkrise erst einmal in Ordnung ist", urteilt Oliver Roth, Chefhändler beim Bankhaus Oddo Seydler. Aber große Unternehmen würden lange nicht so an die Kandare genommen. Sie hätten Platz, sich zu entfalten. Als besonders problematisch gelten diese "Freiheiten" bei den Schattenbanken, also bei Unternehmen, die wie Banken agieren und eigentlich keine sind.

Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen wurde erst 1988 als Tochter der Beteiligungsgesellschaft Blackstone gegründet. Der Aufstieg - kometenhaft. Die Amerikaner sind an allen 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) geführten Konzernen beteiligt und damit an der Crème de la Crème der deutschen Wirtschaft. Größere Anteile hält Blackrock an Daimler, der Deutschen Bank und am Pharmaunternehmen Merck. Als Vermögensverwalter ist das Unternehmen erste Wahl. Staatsfonds, Pensionskassen und Vermögensverwalter aller Herren Länder gehören zu den Kunden. Über seine Fondstochter iShares verwaltet Blackrock zudem Indexfonds im Wert von einer Billion Dollar.

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Schnell ist da der Vergleich zu Lehman Brothers gezogen. Die Großbank war vor ihrem Kollaps 2008 an der Börse ähnlich hoch bewertet wie Blackrock. Die Lehman-Pleite hatte einen Börsencrash ausgelöst und die Finanzkrise dramatisch verschärft. Doch eine solche Gefahr sieht der Finanzexperte Dirk Müller im Fall Blackrock nicht: "Blackrock arbeitet mit angelegtem Geld, das vorhanden ist, nicht auf Kredit, wie die meisten Banken."

Bei Blackrock gehe es weniger um Geld und finanzielle Risiken als vielmehr um Macht und Einfluss. Dirk Müller sieht Einflüsse auf Wirtschaft und Politik, die Blackrock wegen seiner schieren Größe ausüben kann. "Man ist an allen wichtigen Unternehmen der Welt beteiligt, hat sämtliche Informationen zusammen und nutzt die auch", sagt der Finanzexperte, "da ergibt sich eine Machtfülle, die von außen schwer einzuschätzen ist."

Blackrock hatte schon während der Finanzkrise Regierungen und Notenbanken beraten und Einblick in die Bilanzen großer Banken erhalten - um diese zu prüfen. Für einen Konzern, der sich an anderen beteiligt, kann das ein (unlauterer?) Wettbewerbsvorteil sein. Und: Blackrock ist auch nicht ganz unschuldig an der Finanzkrise. Auch der Konzern hat aus Krediten Wertpapiere gebastelt und diese weiter verkauft. Ein glänzendes Geschäft - bis die Immobilienblase in den USA platzte.

(RP)