Moskau bremst Rubel-Crash mit massivem Devisenverkauf

Russlands Währung in der Krise : Moskau bremst Rubel-Crash mit massivem Devisenverkauf

Leichtes Aufatmen in Moskau: Nach dem schwarzen Dienstag für den Rubel hat das russische Finanzministerium mit einem massiven Devisenverkauf die Talfahrt der Landeswährung bremsen können.

Nach einem Wertverlust von einem Fünftel am Vortag stabilisierte sich der Rubel am Donnerstagnachmittag und legte wieder leicht an Wert gegenüber Dollar und Euro zu. Sieben Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro) an Devisen will die Regierung zur Rubelverteidigung einsetzen.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte vor Ministern und Industriellen: Russland "hat die Währungsreserven, um alle wirtschaftlichen und Produktionsziele zu erreichen." Am 5. Dezember beliefen sich die Reserven bei der Zentralbank auf 415 Milliarden Dollar. Der Verkauf gehe "so lange wie nötig" weiter, sagte Vize-Finanzminister Alexej Moisejew laut Nachrichtenagentur Interfax.

Auch die Zentralbank verkündete weitere Maßnahmen, um die Stabilität des Finanzsystems zu stützen, nachdem eine kräftige Leitzinserhöhung in der Nacht zum Dienstag den Rubel-Einbruch nicht verhindern konnte. Seit Beginn des Jahres verlor er 60 Prozent an Wert. Gründe sind die Wirtschaftssanktionen des Westens wegen Moskaus Rolle in der Ukraine-Krise, vor allem aber der Ölpreisverfall.

Die Folgen sind für die Russen inzwischen deutlich zu spüren. Einzelhändler in Moskau berichten, dass sie angesichts der heftigen Kursverluste Schwierigkeiten haben, sinnvolle Preise für Importprodukte von Elektronikartikeln bis Wein festzusetzen. Viele Bürger stürmen demnach geradezu die Läden, weil drastische Preiserhöhungen kaum vermeidbar sein werden.

Auch die deutsche Wirtschaft ist in Mitleidenschaft. Schon bislang war mit einem Einbruch der Exporte nach Russland von 20 Prozent für 2014 gerechnet worden. "Wenn sich die aktuelle Entwicklung aber fortsetzt, könnten wir noch stärkere Rückgänge erleben", sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, dem "Handelsblatt". Die Unternehmen hätten nur die Wahl "zwischen Teufel und Beelzebub": Entweder sie nehmen kleinere Gewinnmargen in Kauf oder setzen die Preise hoch und riskieren einen Einbruch der Nachfrage.

Deutsche Firmen klagen

Deutsche Firmen litten unter der "dramatisch sinkenden Kaufkraft" der Bürger in Russland, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Deutsche Autofabriken sind bereits seit einigen Wochen auf Kurzarbeit geschaltet oder entlassen Mitarbeiter."

Deutschland und Russland sind wirtschaftlich eng verwoben. Daimler ist am russischen Lkw-Hersteller Kamaz beteiligt, die BASF-Tochter Wintershall arbeitet eng mit Gazprom zusammen, Siemens unterhält eine Partnerschaft mit der Russischen Staatsbahn RZD. 2013 tauschten beide Länder Güter im Wert von rund 76,5 Milliarden Euro aus. Dabei überstiegen die Importe aus Russland die Exporte. Erdöl und Erdgas machten drei Viertel der Importe aus Russland aus, die sich insgesamt auf 40,4 Milliarden Euro beliefen. Im Gegenzug lieferte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro nach Russland. An der Spitze standen die Maschinenbauer (8,1 Mrd Euro), die Autoindustrie (7,6 Mrd Euro) und die Chemiebranche (3,2 Mrd Euro). Deutschland liegt hinter China auf Rang zwei der Lieferländer Russlands. Russland hingegen ist der elftwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Exportwirtschaft.

Die bislang größte Wirtschaftskrise seit seinen 15 Jahren an der Macht bringen Russlands Präsident Wladimir Putin immer stärker in Bedrängnis. "Wir haben das Gefühl verloren, Putin sei eine Art Magier, der alles kontrollieren könne", schrieb die Tageszeitung "Moskowski Komsomolez". Am Donnerstag könnte sich Putin bei seiner Jahresabschlusspressekonferenz erstmals zu der Krise äußern.

Die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" warnte vor einer Panik. "Es könnte nur Tage dauern, bis die Kontoinhaber die Banken stürmen." Dass die Zentralbank im Dezember schon mehr als zehn Milliarden Dollar zur Rubelstabilisierung verbrannte, wurde scharf kritisiert. Sie habe den Rubel "beerdigt", schrieb die Zeitung "Nowije Iswestia". Und Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin warf der Zentralbank wegen der Leitzinserhöhung um 6,5 Punkte am Montag vor, die Verteidigungsindustrie vor ein "unüberwindbares Hindernis" gestellt zu haben.

(AFP)