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Mobilfunk: Immer noch Funklöcher in Teilen von Deutschland

Mobilfunk : Netzagentur brandmarkt Funklöcher

Am 24. Juni sollen die Manager von Telekom, Vodafone und Telefonica bei der Bundesnetzagentur zum Rapport. Sie sollen vor dem Beirat der Behörde erklären, warum Smartphones in Teilen Deutschlands noch immer keinen ausreichend schnellen Online-Zugang haben. Die größten Sorgen macht Telefonica Deutschland. Dem Konzern droht 2020 sogar ein Bußgeld.

Die Bundesnetzagentur will die Führung von Telekom, Vodafone Deutschland und Telefonica Deutschland am 24. Juni zum Rapport bitten. Sie sollen dann vor dem Beirat der Behörde erläutern, warum der Ausbau der Mobilfunknetze weiter hinter den Erwartungen der Bürger hinterherhinkt. Dieses Vorgehen schlägt die Netzagentur dem Beirat vor, der am Montag nächster Woche zusammenkommt. Das Vorbereitungspapier liegt unserer Redaktion vor.

Die größten Sorgen macht Telefonica. Das Unternehmen kann aktuell nur 89,1 Prozent der Haushalte ein Übertragungstempo von zehn Megabit/Sekunde anbieten, wogegen die Telekom bei diesem Wert eine Versorgungsquote von 96,3 Prozent und Vodafone von 94,3 Prozent hat. Sogar ein Kriechtempo von einem Megabit pro Sekunde bietet Telefonica nur 95,6 Prozent der Haushalte an, die Telekom kommt hier fast auf Vollversorgung mit 99,6 Prozent, Vodafone erreicht 97 Prozent.

Anfang 2020 drohen nun Telefonica Bußgelder. Der Grund ist, dass das Unternehmen eine wichtige Auflage der Netzagentur zu verfehlen droht. Alle Netzbetreiber müssen ihre Funkmasten so aufrüsten, dass sie im Umfeld von 98 Prozent der Bevölkerung ein Signal von 50 Megabit/Sekunde ausstrahlen, damit bei Nutzung durch mehrere Haushalte „in der Regel“ wenigstens zehn Megabit ankommen.

Doch aktuell werden bei Telefonica nur 80 Prozent der Haushalte von solcher 50-Megabit-Funktechnik erfasst. Das ergibt sich aus den Unterlagen der Netzagentur, wogegen Telekom und Vodafone deutlich bessere Werte haben.

Telefonica erklärt auf Anfrage, den geforderten Ausbau bis 2020 noch schaffen zu können. Allein in diesem Jahr würden 10.000 Funkanlagen auf modernes LTE umgerüstet. Außerdem würden im Sommer neue Frequenzen freigeschaltet, die besonders gut für die Flächenversorgung geeignet sind.

Skeptisch gibt sich dagegen der Branchenexperte Torsten Gerpott, ein Wirtschaftsprofessor aus Duisburg: „Ich halte es für undenkbar, dass Telefonica nun ein so hohes Ausbautempo schafft, dass die geforderte Netzabdeckung bis Anfang 2020 erreicht ist.“

Dabei beginnen die Schwierigkeiten für Telefonica erst. Bisher darf die Netzagentur Zwangsgelder in Höhe von einer halben Million Euro festlegen, wenn Auflagen verfehlt werden, außerdem Bußgelder von 100.000 Euro. Künftig könnten es viel höhere Strafen sein. „Die Bußgelder müssen so hoch sein, dass sie wirksam davor abschrecken, Versorgungsauflagen zu verfehlen“, sagt Thomas Jarzombek, Beirat der Netzagentur und CDU-Bundestagsabgeordneter aus Düsseldorf.

Außerdem drohen Telefonica Ausgaben von weit mehr als einer Milliarde Euro, um Frequenzen für das künftige 5G-Netz zu erwerben.