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Carola Gräfin Von Schmettow: "Mit dem Banker-Image geht es langsam bergauf"

Carola Gräfin Von Schmettow : "Mit dem Banker-Image geht es langsam bergauf"

Die Bank HSBC Deutschland zählt zu den Top-Adressen für reiche Privatkunden. Seit 2015 führt sie Carola Gräfin von Schmettow. Wir sprachen mit der Mutter von fünf Kindern über Weihnachtsrituale und das Geschäft.

Sie haben in Musik einen Einser-Abschluss und waren als Konzertsängerin aktiv. Haben Sie mal bereut, dass Sie Bankerin geworden sind?

Schmettow Wenn ich etwas vermisse, dann das Gefühl, dass man Menschen mit Musik glücklich machen kann, sie berühren kann. Bei der Vergabe eines Kredits ist das etwas anders (lacht).

Wann singen Sie denn noch? Bestimmt an Weihnachten zu Hause?

Schmettow Wir singen gemeinsam, einer von uns spielt am Klavier. Dabei muss ich zugeben: Die Kinder spielen mittlerweile besser als ich.

Was wünscht man sich im Hause Schmettow 2016 am meisten?

Schmettow Das ist ganz unterschiedlich. Doch Zeit gemeinsam zu verbringen, steht bei allen hoch im Kurs.

Wenn die Bank HSBC Deutschland ein Musikstil wäre, wie würden Sie diese beschreiben?

Schmettow Die Bank kann man am besten mit einer großen internationalen Big Band vergleichen, die viele Stilrichtungen beherrscht. Und wenn der Spot angeht, hört man phantastische Soli.

Sie sind jetzt seit eineinhalb Jahren die Chefin von HSBC Deutschland. Was hat sich für die Bank geändert?

Schmettow Wir haben vorher erfolgreich als Vorstand im Team gearbeitet und tun es heute immer noch. Deshalb hat sich nichts geändert.

Das kann doch nicht sein - ohne Veränderungen?

Schmettow Der Vorstand hat die Führungsetage aufgegeben. Jedes Vorstandsmitglied sitzt jetzt bei seinen Bereichen. Ich etwa habe mein Büro in räumlicher Nähe zum Handel. Das ist auch ein Zeichen an die Mitarbeiter. Wichtig ist, dass in der Bank keine Silos entstehen, dass größtmögliche Transparenz herrscht und alle begreifen, dass sie gemeinsam für den Erfolg der Bank arbeiten - und damit auch für ihren eigenen. Das Leben dieser Kultur sehe ich als meinen persönlichen Auftrag.

Das Image des Gier-Bankers lebt weiter. Könnten sich Exzesse wie 2008 wiederholen, etwa die üppigen Boni?

Schmettow Unsere Regelung bei HSBC ist gut. Vom Ertrag gehen über 80 Prozent an die Aktionäre bzw. stärken die Eigenmittel der Bank und der Rest fließt in Form von Boni an die Mitarbeiter. Dass Investmentbanker teils deutlich mehr verdienen als andere Mitarbeiter, liegt in der Natur des Geschäfts.

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Die Bank propagiert seit drei Jahren Wachstum im Mittelstandsgeschäft als großes Ziel. Wie sieht es aus?

Schmettow Wir haben die Zahl unserer Firmenkunden seit Beginn der Wachstumsstrategie bis heute verdoppelt. Aber das allein ist nicht entscheidend. Wachstum muss nachhaltig sein, und das heißt, es muss auch profitabel sein.

Das ist das reine Kreditgeschäft in Deutschland schon lange nicht mehr.

Schmettow Nein, und das wird es auch 2017 nicht sein. Der Kredit ist nur die Eintrittskarte in die Kundenbeziehung. Danach wollen wir den Kunden in allen Bereichen begleiten und anspruchsvolle Lösungen bieten. Eine nachhaltige Kundenbeziehung ist extrem wichtig.

Was heißt das im Private Banking?

Schmettow Da helfen uns unsere Geschichte und unser guter Ruf. Bankgeschäft ist von Vertrauen geprägt. Das gilt vielleicht im Geschäft mit vermögenden Privatkunden noch stärker. Andererseits ist Private Banking nicht nur Kaffee, Kerze und Kekse, sondern hochprofessionelle Beratung, die auf die Kompetenz der globalen HSBC zurückgreifen kann.

Sie reden von Vertrauen. Haben die Banker nach der Finanzkrise etwas zurückgewonnen beim Kunden?

Schmettow Natürlich ist das Bild vom Bankmanager in der Öffentlichkeit immer noch häufig negativ. Aber ich habe das Gefühl, mit dem Image geht es langsam bergauf. Generell gilt ohnehin: Mehr als 95 Prozent der Mitarbeiter der Banken machen ihren Job vernünftig - ohne Fehl und Tadel. Die Universalschelte hat nie gestimmt.

Sie haben den Großaktionär HSBC im Rücken. Reicht die jüngste Kapitalspritze oder kommt noch mehr?

Schmettow Das wird dann entschieden, wenn sich die Frage stellt. Mit 235 Millionen Euro frischem Eigenkapital können wir auf jeden Fall weiter wachsen.

Aber Sie schließen eine weitere Kapitalerhöhung nicht aus?

Schmettow Natürlich nicht. Aber derzeit ist das kein Thema.

Stichwort Brexit - hat der EU-Austritt Großbritanniens Folgen für Sie?

Schmettow Eigentlich nicht. HSBC ist extrem global, die großen Zentren auf dem Kontinent sind in Frankreich und Deutschland. Wenn von der Insel Jobs verlagert würden, dann primär nach Frankreich. Anders sieht das allerdings für die exportabhängige deutsche Volkswirtschaft aus. Kommt es zum harten Brexit und zur Einführung von US-Handelszöllen, wird Deutschland unseren Analysen zufolge stärker als alle anderen G7-Länder leiden. So könnten sich die Ausfuhren der Bundesrepublik bis zum Jahr 2030 um bis zu 260 Milliarden US-Dollar reduzieren. Das entspricht einem Rückgang von fünf Prozent gegenüber einer Entwicklung ohne Protektionismus. Die französischen Exporte würden dagegen nur um 2,1 Prozent zurückgehen. Das zeigt: Kein anderes Land profitiert so stark von der Globalisierung.

Und der Finanzplatz London?

Schmettow London wird nicht untergehen. Es könnte vielleicht sein, dass Banken Teile ihres Geschäfts verlagern. Aber der Finanzplatz als solcher hat einen Exzellenzcluster, auf den niemand verzichten kann und will.

Was wird aus dem Euro?

Schmettow Der Euro kann nur politisch scheitern. Ich glaube aber nicht, dass das passiert. Ich habe Vertrauen in die Durchsetzungsstärke der Politik.

Was ist mit den Zinsen?

Schmettow Die bleiben noch lange niedrig.

(RP)