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Essen: Millionen-Klage gegen Großmann zugelassen

Essen : Millionen-Klage gegen Großmann zugelassen

Russischer Investor will 700 Millionen Euro Schadenersatz wegen geplatzter Übernahme.

Russische Investoren haben vor Gericht mit einer millionenschweren Schadenersatzklage gegen den früheren RWE -Chef Jürgen Großmann einen Etappensieg erzielt. Eine Klage gegen Großmann sei zulässig, erklärte gestern das Landgericht Essen, eine Klage gegen RWE jedoch nicht, da es hierzu bereits ein Schiedsverfahren in London gegeben habe. "Der Schiedsspruch ist anzunehmen." Großmann sei an den Verfahren jedoch nicht beteiligt, sondern nur Zeuge gewesen.

Bei dem Streit geht es um den 2008 geplatzten Einstieg von RWE in Russland. Damals hatten viele europäische Versorger den russischen Markt ins Visier genommen. RWE hatte im März 2008 mit dem Konzern Sintez vereinbart, dass man gemeinsam den russischen Versorger TGK-2 übernehmen wollte. RWE sollte zudem die Mehrheit an dem gemeinsamen Konsortium halten. Dazu kam es jedoch nie. RWE gab im September 2008 die Pläne auf und begründete dies mit dem hohen Preis. Nun werfen der Sintez-Konzern und der hinter ihm stehende Unternehmer Leonid Lebedew RWE und Großmann vor, sich unberechtigt von den gemeinsamen Plänen für TGK-2 verabschiedet zu haben. Die Russen fordern Schadenersatz in Höhe von 700 Millionen Euro plus Zinsen.

Der RWE-Konzern zeigte sich erleichtert, dass die Klage gegen ihn nicht zugelassen wurde. Zur Klage gegen Großmann erklärte der Konzern: "Mit der Frage, ob tatsächlich Ansprüche gegen Herrn Großmann bestehen, hat das Gericht sich überhaupt noch nicht beschäftigt. Wir halten die klägerische Argumentation insoweit für völlig fernliegend." Die Anwälte Großmanns waren nicht vor Gericht erschienen. Wenn der Ex-RWE-Chef in Berufung geht, muss das Oberlandesgericht entscheiden, ob die Klage gegen ihn zugelassen wird.

(rtr)