Frankfurt: Milliarden-Buße für die Deutsche Bank

Frankfurt : Milliarden-Buße für die Deutsche Bank

Umstrittene Hypothekengeschäfte kommen das Institut teuer zu stehen. Doch es hätte noch schlimmer kommen können, ursprünglich hatte die US-Justiz 14 Milliarden Euro gefordert. Nun ist es nur noch die Hälfte.

Die Deutsche Bank kommt im Streit um dubiose Hypothekengeschäfte in den USA mit einem blauen Auge davon. Sie muss 3,1 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) Zivilbuße an die Staatskasse zahlen und 4,1 Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) Entschädigungen an Kunden. Auf diesen Vergleich einigte sich das Institut nach monatelangen Verhandlungen mit der US-Justiz. Die Aktie sprang um rund fünf Prozent auf 18 Euro. Der Kurs liegt weit über dem Jahrestief vom September, als die Aktie unter zehn Euro gefallen war.

Worum ging es? In dem Streit ging es um die Beilegung zivilrechtlicher Ansprüche im Zusammenhang mit der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere zwischen 2005 und 2007. Die Behörden sehen es als erwiesen an, dass die Bank unsaubere Geschäfte machte: Sie bündelte faule Hypotheken in komplexe Wertpapiere, die mit dem Einbruch auf dem US-Häusermarkt 2007 auf einen Schlag wertlos wurden und vielen Anlegern Verluste bescherten. Während die Bank die Papiere als sicheres Investment verkaufte, wettete sie intern auf den großen Crash, wie aus einem Bericht des US-Senats hervorging. Der Crash des Häusermarktes führte zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Warum hat die Bank Glück gehabt? Ursprünglich hatte dem größten deutschen Geldhaus eine Strafe von 14 Milliarden Dollar gedroht. Im September hatte die Justiz mit dieser Forderung die Anleger alarmiert, der Kurs fiel unter zehn Euro. Es kamen Spekulationen über Staatshilfen auf. Diese Forderung wäre die höchste US-Strafe für ein ausländisches Geldhaus gewesen. Aber auch in anderen Fällen war es so, dass die US-Justiz zunächst mit viel höheren Summen in die Vergleichsverhandlungen eingestiegen war. Goldman Sachs hatte nach ähnlich hohen Einstiegsforderung schließlich fünf Milliarden Dollar gezahlt. "Bankchef John Cryan hat mit dem Vergleich der Deutschen Bank ein Weihnachtsgeschenk gemacht", sagte LBBW-Analyst Ingo Frommen.

Hat die Bank so viel Geld? Noch nicht. Die Bank hat bislang nur für einen Teil der Buße Geld zurückgelegt, nämlich 1,8 Milliarden Euro. Weitere 1,1 Milliarden muss sie im vierten Quartal zurückstellen, was den Gewinn drückt. In den ersten neun Monaten hatte sie 1,6 Milliarden Euro verdient. Hinzu kommen die Kosten für die Entschädigungen: Um die Kunden mit 3,9 Milliarden Euro zu entschädigen, hat die Bank fünf Jahre Zeit. Eine Kapitalerhöhung, über die Analysten immer wieder spekulieren, scheint damit zunächst kein Thema zu sein.

Hat die Bank jetzt alle Probleme erledigt? Nein. Zeitweise hatte die Bank 7800 Prozesse am Hals, nicht alle sind beendet. In den vergangenen Jahren kosteten Strafen die Bank bereits mehr als zwölf Milliarden Euro - etwa wegen der Beteiligung an Zinsmanipulationen (Libor). Einige große Verfahren sind noch offen: der Geldwäsche-Skandal in Russland, mutmaßliche Sanktionsverstöße bei Iran-Geschäften und Manipulationen auf dem billionenschweren Devisenmarkt.

Was ist mit anderen Banken? Auch die Credit Suisse einigte sich nun auf einen Vergleich mit den US-Behörden. Die zweitgrößte Bank der Schweiz zahlt ein Bußgeld von 2,5 Milliarden Dollar und Entschädigungen von 2,8 Milliarden. Dagegen geht die britische Barclays Bank überraschend auf Konfrontationskurs. Das US-Justizministerium reichte nun Klage gegen das Institut ein. Einem Insider zufolge wollte Barclays maximal zwei Milliarden Dollar zahlen. Die Deutsche Bank sei härter rangenommen worden als US-Konkurrenten, sagt Ingo Speich von Union Investment. "Aber letztlich ist es ein Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können."

(anh/rtr)
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