Düsseldorf: Milchpreis sinkt kräftig

Düsseldorf : Milchpreis sinkt kräftig

Deutsche Milchviehhalter produzieren immer mehr Milch, deshalb werden Milch und Butter günstiger. Was den Verbraucher freut, kann für die Bauern existenzbedrohend werden. Mit den Discountern Norma und Aldi Süd haben die ersten Handelsunternehmen die Preise für Milch um bis zu sechs Cent pro Liter und den Preis für Butter um 14 Cent pro Stück gesenkt. Es wird erwartet, dass andere Discounter nachziehen. Bei Aldi Süd kostet ein Stück Butter etwa 75 Cent, ein Liter Frischmilch ist bei Norma für 51 statt wie vorher für 57 Cent zu haben.

Hintergrund des Preisrutsches sind die jüngsten Verhandlungen zwischen Molkereien und Handelskonzernen. Dort waren Abschläge von vier bis 4,5 Cent pro Liter vereinbart worden. Es war bereits die zweite Preissenkung, schon im November war Milch um zwei bis drei Cent günstiger geworden.

Die Furcht der Milchbauern vor einem Preissturz nimmt zu. "Es kommt Druck auf alle Milchviehhalter", sagt Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter. "Ich fürchte, die Lage könnte sich wieder so zuspitzen wie 2009." Damals war der Preis, den Molkereien den Viehhaltern zahlten, auf 20 bis 22 Cent pro Liter gesunken. Die Milchbauern protestierten damals massiv für einen fairen Preis.

Um die Lage zu verschärfen, müsse der Milchpreis dieses Jahr gar nicht mehr so tief sinken wie 2009, sagt Foldenauer. "In den vergangenen zwölf bis 18 Monaten sind die Produktionskosten um vier bis sechs Cent pro Liter gestiegen", erklärt er. "Kritisch wird es für manche Bauern unter 30 Cent, unter 25 Cent kann es existenzbedrohend werden." Zurzeit erhalten die Produzenten pro Liter etwa 32 Cent.

Auch der Deutsche Bauernverband kritisiert die Entwicklung. Es komme jetzt darauf an, die Verträge für Frischprodukte sukzessive wieder nach oben zu bringen, hieß es. Die jüngst ausgehandelten Verträge laufen ein halbes Jahr.

Ein Grund für die sinkenden Preise sind die steigenden Produktionsmengen. "Tatsache ist, es wird so viel produziert wie noch nie", sagte der Vize-Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, Gerd Krewer. 2011 sei die Menge um 2,4 Prozent auf 29,3 Millionen Tonnen gestiegen. Der höheren Milchmenge stehe eine schwächere Nachfrage auf dem Binnen- und Weltmarkt gegenüber.

(RP)
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