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Microsoft startet Tablet-PC

Microsoft startet Tablet-PC

Der weltweit führende Softwarekonzern fürchtet, von Apple abgehängt zu werden. Als Kehrtwende bringt Microsoft ab Herbst erstmals eigene Computer auf den Markt – gerade für professionelle Nutzer interessant.

Los Angeles Erstmals verkauft Microsoft mit zwei Flach-Computern unter dem Namen "Surface" (deutsch: Oberfläche) eigene Computer. Dies kündigte Vorstandschef Steve Ballmer in der Nacht zu gestern in Los Angeles an. Der Vorstoß von Microsoft richtet sich klar gegen den iPad-Hersteller Apple und Google, den Hersteller des Konkurrenz-Systems Android, das insbesondere auf den Galaxy-Rechnern von Samsung läuft. Doch vermutlich dürfte Microsofts "Surface" vor allem bei den Firmen wie eine Bombe einschlagen, die bislang treue Partner des Software-Konzerns sind: Firmen wie Asus, Acer, Lenovo, Sony, Dell oder Medion aus Deutschland planen nämlich längst selbst einen Tablet-Computer mit dem auch für Flach-Computer geeigneten Windows 8. Sie sehen sich nun nicht nur der Konkurrenz durch Apple und Samsung, sondern auch von Microsoft ausgesetzt.

Microsoft bringt mit den in Asien gebauten Surface-Modellen jedenfalls eine spannende Alternative zum iPad und der Galaxy-Reihe von Samsung. So hat Microsoft die Schutzabdeckung so konstruiert, dass sie auch als Tastatur dient – das gibt es bei Apple nur für rund 100 Euro von Fremdfirmen wie Logitech. Die Surface-Geräte haben wie Galaxy-Rechner einen USB-Anschluss – Apple sperrt die Nutzer im eigenen System ein. Und als größten Vorteil lassen sich beide Surface-Modelle mit dem "normalen" Microsoft-PC eng synchronisieren und mit einer Mini-Stütze an der Rückseite aufstellen. Das Gerät dürfte also als faktischer Auch-Laptop attraktiv für Nutzer sein, die ein Tablet für die Arbeit mit anspruchsvoller Software wie Office oder Photoshop wollen.

Tatsächlich ist die neue Strategie von Microsoft überfällig. Beim Wachstumsgeschäft Flach-Computer führt Apple mit 62 Prozent Marktanteil und bisher 40 Millionen verkauften iPads, Samsung folgt mit 6,1 Millionen Galaxy-Pads, während Geräte mit Windows bisher keine Rolle spielen. Windows spielt auch auf Smartphones mit dem angeschlagenen Hauptpartner Nokia nur eine unbedeutende Rolle – auch da dominieren Apple und Samsung/Google. Und vor wenigen Tagen verkündete Apple-Chef Tim Cook, dass es mittlerweile 630 000 "Apps" inklusive Mediendiensten und Spielen für iPhone und iPad gibt, Samsung kommt auf 450 000 dieser Mini-Programme, Microsoft kann für Windows Mobile nur 88 000 Apps melden – also braucht Windows 8 einen extrem starken Start, um gegen die Wettbewerbssysteme noch standzuhalten. "Es geht nicht einfach um den Verkauf von Geräten oder Betriebssystemen", sagt der für internationalen Vertrieb zuständige Microsoft-Manager Achim Berg unserer Zeitung, "wir schaffen rund um Windows 8 ein Ökosystem von Anwendungsmöglichkeiten."

Dabei zeigen viele Details, unter welch großem Druck Microsoft handelt. So ist nicht klar, wann die Surface-Modelle ein integriertes Mobilfunk-Modul bekommen – die Ballmer-Truppe muss das noch klären. Die Vertriebsstrategie liegt im Nebel: Es gibt logischerweise kein eigenes Verkaufs- und Reparatursystem für Computer – da nützt es wenig, dass Microsoft mit Erfolg die X-Box vermarktet.

Selbst die Preise stehen noch nicht fest. Das im Herbst startende Basismodell mit dem etwas langsamerem Nvidia-Prozessor dürfte günstiger sein als das billigste neue iPad, also deutlich unter 480 Euro. Das teurere Modell hat einen Intel-Chip so wie in guten Laptops und wiegt auch 200 Gramm mehr. Es kommt auch erst drei Monate später – bei Apple wären solche Spät-Auslieferungen undenkbar.

(RP)