Auf Gewerkschaftstag bestätigt: Michael Vassiliadis soll weitere vier Jahre IG-BCE-Chef bleiben

Auf Gewerkschaftstag bestätigt : Michael Vassiliadis soll weitere vier Jahre IG-BCE-Chef bleiben

Der Gewerkschaftstag will den früheren Bayer-Lehrling bestätigen. Er gilt aber auch als ministrabel für eine neue Regierung.

Im Congress Center in Hannover beginnt am Sonntag der 5. Gewerkschaftskongress der IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE) — auch die Kanzlerin kommt, ebenso Peer Steinbrück von der SPD und Günther Oettinger von der EU-Kommission. Nach Showprogramm und Grußworten werden die 400 Delegierten der mit 660 000 Mitgliedern drittgrößten deutschen Einzelgewerkschaft bis Freitag 396 Anträge zu den Themen Arbeit, Europa und Energie durchackern — und sie werden den neuen Vorstand wählen.

Bangen muss der Bundesvorsitzende Michael Vassiliadis (49) nicht. Eine zweite vierjährige Amtszeit ist dem Sozialdemokraten sicher. Zwar war sein Start geprägt von der Weltwirtschaftskrise, trotzdem fällt die Bilanz ordentlich aus: Als er das Steuerrad 2009 von seinem Förderer Hubertus Schmoldt übernahm und mit 97,1 Prozent ein unerwartet starkes Ergebnis einfuhr, lag der Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers gerade ein Jahr zurück. Kein leichtes Fahrwasser für den neuen Steuermann.

Ein gutes halbes Jahr später einigten sich Vassiliadis und sein neuer Tarifvorstand Peter Hausmann mit den Chemie-Arbeitgebern auf einen Krisentarifvertrag mit Einmalzahlungen und einem optionalen Konjunkturbonus. Das rettete so manchem Chemie-Beschäftigten den Arbeitsplatz, obwohl die zeitweisen Zugeständnisse anfangs bei vielen Mitgliedern nicht ganz so gut ankamen.

Zudem schaffte Vassiliadis' Gewerkschaft als erste Tatsachen in puncto Leiharbeiter — und bewies damit Offenheit für Neues: Noch vor der IG Metall vereinbarte sie 2011 mit den großen Zeitarbeitsverbänden einen Tarifvertrag, der den Lohn der Leiharbeiter zumindest in Schritten an den der Stammbelegschaft anpasst — das war ein Novum in Deutschland.

Dass Vassiliadis ein Machtmensch und Pokerspieler ist, bewies er bei der Suche nach einem Nachfolger für den Chef der mächtigen RAG-Stiftung, Wilhelm Bonse-Geuking. Nach zähem, monatelangem Ringen setzte der Arbeitnehmervertreter seinen Wunschkandidaten Werner Müller durch.

Doch das bestimmende Thema Vassiliadis' erster Amtszeit ist die Energiewende. Die Energiewende, die nach Vassiliadis' Einschätzung "schlecht gemanagt" wird, trifft seine Mitglieder: Viele Betriebe der Chemie gelten als energieintensiv, schauen mit Sorge auf steigende Stromkosten. Zudem hofft Vassiliadis, dass Kohlekraftwerke stärker als Schwankungsreserve genutzt werden — die Ankündigungen von RWE zum möglichen Ausstieg aus dem Tagebau Garzweiler dürften entsprechend ungelegen kommen.

Ob seine Lieblingsforderung nach einem eigenen Energieministerium in einem neuen Berliner Kabinett in die Tat umgesetzt wird, werden die Koalitionsverhandlungen zeigen. Man müsste dann nach Vassiliadis' Meinung zuallererst die Eneuerbare-Energien-Umlage radikal zusammenstreichen, mit deren Hilfe der Ausbau von Solarstrom und Windenergie vorangetrieben wurde — er selbst gilt als ministrabel.

Herausforderung war bisher auch die Bekämpfung des Mitgliederschwunds. Zwar schreibt sich die Gewerkschaft selbst auf die Fahne, dass sie in den Betrieben die Trendwende geschafft hat und 2011 erstmals wieder deutlich mehr Mitglieder gewinnen konnte, doch der "natürliche Mitgliederschwund" — also das Sterben älterer Mitglieder — ist bislang noch nicht aufgeholt.

(RP)