Neuss: Meyer-Lauber bleibt DGB-Chef in NRW

Neuss : Meyer-Lauber bleibt DGB-Chef in NRW

Der Landesvorsitzende nennt die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie als eine der großen Aufgaben.

DGB-Chef Michael Sommer hatte gerade 20 Minuten lang bei der 20. ordentlichen Bezirkskonferenz des DGB NRW in Neuss geredet, da war zum ersten Mal Schluss mit der bis dahin zur Schau gestellten Einigkeit zwischen DGB und Landesregierung. "Wir sind eine Organisation, die ist mobilisierungsfähig, liebe Hannelore", sagt Sommer mit Blick auf Regierungschefin Hannelore Kraft in der ersten Reihe. "Und können das zur Not auch mit den Beamten."

Da war er wieder, dieser Konflikt um die von der NRW-Regierung geplante Nullrunde für ihre Beamten in den höheren Besoldungsgruppen. Der Bezirksvorsitzende Andreas Meyer-Lauber hatte das Thema in seiner Begrüßung zuvor noch geschickt umgangen – hat er sich doch ohnehin in den vergangenen Monaten von einem der lautesten Kritiker zu einem eher stillen Beobachter gewandelt. Und auch Kraft hatte lieber den ausgehandelten Koalitionsvertrag in Berlin gelobt und von den Gemeinsamkeiten mit den Gewerkschaften gesprochen, als noch einmal das unliebsame Thema aufzugreifen. Doch der Konflikt, der inzwischen auch die Gerichte beschäftigt, schwelt weiter. Der Kölner Andreas Kossiski, SPD-Landtagsabgeordneter und Verteidiger der Nullrunde, wurde bei den Wahlen mit dem mit Abstand schlechtesten Ergebnis aller Regionsvorsitzenden abgestraft (68,5 Prozent).

Ansonsten war aber viel Harmonie in Neuss: Meyer-Lauber wurde bei einer leicht chaotischen Wahl mit 88,2 Prozent der Stimmen als Bezirksvorsitzender bestätigt. Vor der Konferenz hatte er gesagt, er sei schon mit dem Wiedererreichen des Ergebnisses von 2003 (79 Prozent) zufrieden. Er nannte in seiner Bewerbungsrede als größte Herausforderungen für seine Organisation die Kommunal-, Europa- und Betriebsratswahlen 2014, die kritische Begleitung des Koalitionsvertrages, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine stärkere Fokussierung auf studierte Arbeitnehmer.

Der Gewerkschaftstag stand am ersten Tag noch ganz unter dem Eindruck der sich abzeichnenden großen Koalition in Berlin. Kraft warb für das Erreichte – Mindestlohn, Mietpreisbremse, Frauenquote, bessere Finanzmarktregulierung.

Für Michael Sommer war es übrigens der letzte Auftritt vor einer Bezirkskonferenz in NRW. Er hört im Mai als DGB-Chef auf und hinterlässt eine Organisation, die offenbar in puncto Mitgliederschwund vor einer Zeitenwende steht. Den Beleg lieferte Sommer gleich selbst: Er habe von der Gewerkschaft Verdi erfahren, dass diese 2013 bei der Mitgliederentwicklung eine schwarze Null hinbekommen habe.

(RP)
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