Düsseldorf: Metro zwingt Microsoft zu Produkt-Umbenennung

Düsseldorf : Metro zwingt Microsoft zu Produkt-Umbenennung

Microsoft ist einem drohenden Rechtsstreit mit der Düsseldorfer Metro AG aus dem Weg gegangen. Überraschend änderte der Software-Marktführer gestern die Bezeichnung für das zentrale Element seines neuen Betriebssystems Windows 8. Die grafische Benutzeroberfläche mit dem Namen "Metro" wird künftig "Windows 8-style UI" heißen. Hintergrund ist offenbar ein Vorstoß der Metro AG. Experten sprechen von einer "peinlichen Vorführung" für Microsoft. Ein Metro-Sprecher wollte die Vorgänge gestern nicht direkt bestätigen: "Metro ist aber eine Marke, die es zu schützen gilt."

In drei Monaten soll Windows 8 eingeführt werden. Die Benutzeroberfläche ist von bunten Kacheln geprägt, die eine Bedienung an Touchscreen-Geräten vereinfachen soll. Microsoft war bemüht, die Umbenennung der Kacheln herunterzuspielen: Metro sei nur als Arbeitstitel verwendet worden, sagte ein Konzernsprecher. Allerdings hieß die Benutzeroberfläche noch "Metro", als am Mittwoch die ersten PC-Hersteller mit Windows 8 beliefert wurden.

Aus Sicht des Hamburger Markenexperten Andreas Pogoda ist der Vorgang "eine Blamage für Microsoft". Der Name Metro hätte eine Botschaft transportiert, die auf die Zielgruppe des neuen Betriebssystems hingewiesen habe. "Metro wie Metropole – wie urbane Menschen, die mobile Geräte nutzen wollen", erklärte Pogoda. Unverständlich sei daher, "dass ein Konzern dieser Größe nicht in der Lage ist, vorab alle Markenrechte abzuklären und einen originellen Titel zu finden." Pogodas Urteil: "Originalität gehört nicht zu den Kernkompetenzen von Microsoft." Ganz ähnlich sieht es Markenforscher Karsten Kilian. "Man hätte sich einigen können, zumal beide Konzerne Partner sind. Die Umbenennung ist für Microsoft ziemlich peinlich."

Tatsächlich vermuten Experten hinter der Microsoft-Entscheidung auch kaufmännische Gründe. Mit ihren Elektrodiscountern Media Markt und Saturn ist die Metro ein wichtiger Partner von Microsoft im deutschen Markt, ein Rechtsstreit wäre kaum förderlich gewesen.

Markenrechtlich hätte Microsoft aus Sicht des Düsseldorfer Rechtsanwalts Dirk Bröcher durchaus ein Problem bekommen können: "Metro ist als Marke in Europa ein Schwergewicht und daher besonders schützenswert." Allerdings sei es üblich, durch eine entsprechende Zahlung eine Einigung zu erzielen. "Den eigenen Namen hart zu verteidigen ist ein Zeichen von Stärke. So gesehen hat die Metro alles richtig gemacht", analysiert Markenexperte Pogoda.

(RP)
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