Metro zahlt wieder eine Dividende

Düsseldorf : Metro zahlt wieder Dividende

Der Düsseldorfer Handelskonzern legt gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Die Eigner erhalte nach einer Nullrunde wieder eine Ausschüttung. Nur die Situation in Russland beunruhigt Konzernchef Olaf Koch.

Der Tag, an dem der größte deutsche Handelskonzern seinen Aktionären nach einer Nullrunde wieder eine Dividende unter den Weihnachtsbaum legte, begann mit einem Kurssturz. 90 Cent je Aktie will Metro seinen Anteilseignern zahlen, 1,13 Euro sogar je Vorzugsaktie. Das verkündete Vorstandschef Olaf Koch bei der Bilanz-Pressekonferenz gestern Morgen. Dennoch stürzte der Kurs des Düsseldorfer Konzerns im Tagesverlauf um bis zu fünf Prozent auf ein Jahrestief von 22,37 Euro (minus 32 Prozent zum Vorjahr). Grund sind Unsicherheiten in Russland, wo die Gruppe mit 73 Großmärkten im abgelaufenen Geschäftsjahr fast sieben Prozent ihres Gesamtumsatzes (4,3 Milliarden Euro) gemacht hat. "Operativ haben wir es geschafft, uns dort trotz Widrigkeiten zu behaupten", sagte Koch. "Wie es weitergeht, ist davon abhängig, ob es zu einer weiteren Eskalation der Gesamtkrise kommt. Wir sehen mit großer Sorge nach Russland. " An einen Börsengang der russischen Cash & Carry-Sparte wie noch vor eineinhalb Jahren denkt bei Metro im Moment niemand mehr.

Die Situation in Russland und der Ukraine ist derzeit aber auch die einzige Sorge des Düsseldorfer Handelsriesen. Koch legte gestern überraschend gute Zahlen vor. Dass der Umsatz der Gruppe um vier Prozent auf rund 63 Milliarden Euro zurückging, lag vor allem am Verkauf des Osteuropageschäfts der SB-Warenhauskette Real. Flächenbereinigt wuchs der Umsatz aber leicht um 0,1 Prozent. Das Ergebnis lag vor Sonderfaktoren (Ebit) bei 1,73 Milliarden Euro. Ohne Währungseffekte allerdings hätten es 1,5 Milliarden Euro mehr Umsatz und ein um 82 Millionen Euro höheres Ergebnis sein können, sagte Metro-Finanzchef Mark Frese. Sollte der Rubel weiter so schwach bleiben, könnte dies das operative Ergebnis sogar mit 200 Millionen Euro belasten.

Unterm Strich blieb ein Gewinn von 127 Millionen Euro nach einem Verlust von 35 Millionen Euro im Vorjahr - der wesentliche Grund, warum sich die Eigner um die Duisburger Familie Haniel wieder über eine Dividende freuen würden. "Wir sind wieder robust und absolut zukunftsfähig", sagte Koch. Dennoch gleiche die Neuausrichtung des Konzerns einem Marathon in schwierigem Gelände bei geopolitischem Gewitter.

Zum guten Ergebnis trug bei Metro erstmals auch der Online-Handel in nennenswerter Größe bei. Bei Media-Saturn (1,4 Milliarden/plus 30 Prozent) und Kaufhof (63 Millionen Euro/plus 64 Prozent) kommt das Geschäft im Netz in Schwung. "Online waren wir gar nicht präsent", sagte Koch. "Jetzt können wir bald zehn bis 20 Prozent Online-Anteil am Gesamtumsatz schaffen." Bei Kaufhof sind es derzeit gerade erst rund zwei Prozent. Dennoch: Das Warenhaus der Zukunft, das auf allen Kanälen den Kunden anspreche, hat Zukunft und "enormes Potenzial". Daran glaubt Koch.

Tatsächlich erweist sich plötzlich das Filialnetz als Stärke. Der Umsatz wird längst nicht ausschließlich im Internet gemacht. Denn tatsächlich legten vor allem die Käufe zu, bei denen Kunden die Ware zunächst online reservierten, um dann doch ins Geschäft zu kommen. "Einen Fernseher im Internet reservieren und 60 Minuten später im Laden abholen - das Angebot kann sonst keiner", sagte Koch. Folglich legt der Konzern den Schwerpunkt bei Investitionen auch weiter auf den Ausbau des Multi-Channel-Angebots. Die Zahl der Neueröffnungen wird wie in diesem Jahr bereits weiter zurückgehen.

Spekulationen, die Metro könnte Kaufhof angesichts der Übernahme des angeschlagenen Konkurrenten Karstadt durch den Immobilieninvestor René Benko ebenfalls abgeben, trat Koch entgegen. "Kaufhof ist integraler Bestandteil der Metro Gruppe", sagte Koch. "Ich schließe nicht aus, dass eine Transaktion irgendwann einmal attraktiv wird. Aber wir betreiben einen Verkauf nicht aktiv."

(RP)