Handel: Metro findet Käufer für Real

Handel : Metro findet Käufer für Real

Ein Konsortium um die Hamburger Immobiliengesellschaft Redos soll die angeschlagene SB-Warenhauskette als Ganzes kaufen. Die Metro schreibt dafür 385 Millionen Euro auf die Tochter ab.

Metro-Chef Olaf Koch ist einen bedeutenden Schritt weiter mit seinem Plan, die angeschlagene SB-Warenhaus-Tochter Real als Ganzes zu verkaufen. Am Mittwochabend teilte der Düsseldorfer Konzern per Pflichtmitteilung mit, man habe „mit einem von Redos geführten Konsortium eine Vereinbarung über exklusive Vertragsverhandlungen hinsichtlich der Veräußerung des SB-Warenhausgeschäfts und der damit zusammenhängenden Geschäftsaktivitäten geschlossen“. Bei dem Interessenten Redos handelt es sich um eine Hamburger Immobiliengesellschaft, die sich nach eigenen Angaben auf „großflächige Einzelhandelsimmobilien“ spezialisiert hat. Redos verfügt über 74 Objekte in Deutschland mit einem Wert von 2,5 Milliarden Euro und einer Million Quadratmetern verwalteter Mietfläche. Zu dem Konsortium sollen zudem der Immobilieninvestor ECE und die Immobilienabteilung der Investmentbank Morgan Stanley gehören.

Nach Angaben der Metro soll die Einigung bis zum Sommer erzielt werden. Allerdings gibt es auf dem Weg dorthin noch einige Hürden: So müssen Aufsichtsrat, Vorstand sowie Kartell- und Aufsichtsbehörden dem Deal noch zustimmen.

Die nun bekannt gegebenen Pläne sehen vor, dass die Metro für mindestens drei Jahre mit 24,9 Prozent am operativen Geschäft von Real beteiligt bleiben. Laut der Mitteilung wird der Unternehmenswert auf rund eine Milliarde Euro taxiert, das Eigenkapital wird mit 500 Millionen Euro angesetzt. Die Metro müsste damit zur Vorlage der Halbjahreszahlen am Donnerstag 385 Millionen Euro auf die Tochter abschreiben.

Nach Ansicht von Handelsexperten ist es noch ein sehr weiter Weg bis zu einem abgeschlossenen Verkauf. „Es handelt sich nur um einen ,Letter of intent’, also eine Absichtserklärung“, sagt Gerrit Heinemann, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Niederrhein. „Wir sind also noch weit davon entfernt, dass die Tinte unter dem Verkaufsvertrag trocken ist.“ Interessant ist Heinemann zufolge, dass sich die Metro nicht gleich vollständig zurückziehen wird, sondern mit knapp 25 Prozent beteiligt bleiben wird. „Bislang hatte das Management ja immer von einer vollständigen Trennung gesprochen.“ Zudem gibt der Handelsfachmann zu bedenken: „Auch wenn Real als Ganzes verkauft werden soll, macht es schon stutzig, dass es sich bei den Käufern augenscheinlich um kein Einzelhandelsunternehmen handelt sondern um Immobilienunternehmen.“ Das werfe die Frage auf, ob die Käufer nicht doch vorrangig an den Immobilien interessiert seien, statt an einem langfristigen Weiterbetrieb von Real.

Und der Deal birgt seiner Ansicht nach noch Risiken für den Verkäufer: „Interessant ist, dass die Metro schon zu einem so frühen Zeitpunkt, also noch vor dem Eintritt in die Due-Diligence-Phase, bekannt gibt, dass sie 385 Millionen Euro auf Real abschreiben muss. In den Verhandlungen könnte die Käuferseite durchaus noch Punkte anführen, die den Kaufpreis weiter drücken und dann zusätzliche Abschreibungen nach sich ziehen würden. Am Ende könnte die Metro ihre Jahresziele dadurch verfehlen.“

Mit dem Verkauf will Koch einen Schlussstrich unter das unrühmliche Kapitel Real ziehen. Jahrelang haben die verantwortlichen Manager der Metro sich vergeblich bemüht, die SB-Warenhauskette wieder auf Kurs zu bringen. Als im November 2016 die Markthalle in Krefeld eröffnet wurde, pries die Metro den Standort noch als das Projekt, das zukunftsweisend für Real sein sollte – eine Zukunft als Bestandteil der Metro. Im Spätsommer 2018 dann die Kehrtwende: „Der Vorstand der Metro hat heute beschlossen, einen Veräußerungsprozess für das Einzelhandelsgeschäft Real und die damit zusammenhängenden Geschäftsaktivitäten zu beginnen“, hieß es im September in einer Pflichtmitteilung. „Metro beabsichtigt, sich in Zukunft vollständig auf Großhandel zu fokussieren.“

Foto: dpa | Montage: RP. Foto: dpa, Federico Gambarini

Die Belegschaft lief gegen die Entscheidung Sturm. Ende November demonstrierten 3000 von ihnen vor der Zentrale in Düsseldorf. Medienwirksam trat neben Verdi-Chef Frank Bsirske auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf, um sich mit den Streikenden zu solidarisieren. Vordergründig ging es bei der Aktion um die Rückkehr in den Flächentarifvertrag. Hintergründig aber wohl eher um die Sorge vor den Folgen eines Verkaufs.

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