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Duisburg: Metro: Chefkontrolleur Kluge gibt auf

Duisburg : Metro: Chefkontrolleur Kluge gibt auf

Der Vorstandsvorsitzende von Großaktionär Haniel zieht die Konsequenzen aus dem wochenlangen Streit um die Vertragsverlängerung für Metro-Chef Eckhard Cordes. Die Metro verdiene "Einigkeit zwischen Aktionären, Aufsichtsrat und Vorstandsteam". Chef von Haniel will Kluge bleiben.

Wer geglaubt hatte, mit dem angekündigten Rückzug des Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes seien die Wochen des öffentlichen Spektakels bei der Metro beendet, der irrt. Gut eine Woche nach Cordes' Mitteilung, er stehe für eine Verlängerung seines im Jahr 2012 auslaufenden Vertrages nicht mehr zur Verfügung, hat auch Metro-Aufsichtsratschef Jürgen Kluge seinen Rücktritt angekündigt. "Nach den Auseinandersetzungen um die Führung der Metro AG ist es jetzt Zeit für einen echten Neuanfang", erklärte Kluge. Der Konzern brauche einen Neubeginn in der Führung. Die Metro verdiene es, "dass Einigkeit zwischen den Aktionären, dem Aufsichtsrat und dem Vorstandsteam herrscht".

Einigkeit – davon konnte zuletzt keine Rede sein. Monatelang wurde um die Zukunft von Cordes gerungen. Ein Teil der Haniel-Familie, mit rund 34 Prozent größter Einzelaktionär, wollte seinen Abgang. Dann rang sich der Clan zur Solidaritätsbekundung durch und demonstrierte Einvernehmen mit dem anderen Metro-Großaktionär Schmidt-Ruthenbeck – nur um sich kurz darauf hinter verschlossenen Türen doch für eine Demission von Cordes auszusprechen. Der Ungeliebte zog die Konsequenz und verkündete selbst sein Aus.

Kluge soll gegen eine Verlängerung für Cordes gewesen sein. Nach dem Dauer-Gezerre habe er nun in einem Gespräch mit Haniel-Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel klar gemacht, dass es aus seiner Sicht besser wäre, den Weg für eine andere Besetzung frei zu machen, heißt es im Umfeld von Haniel. In Handelskreisen wird darüber spekuliert, ob das Ganze ein Deal zwischen den über Cordes zerstrittenen Großaktionären gewesen sein könnte – etwa so: Die Schmidt-Ruthenbecks, die für Cordes waren, stimmen zu, dass dessen Vertrag nicht verlängert wird, dafür zieht sich Cordes-Gegner Kluge aus dem Aufsichtsrat zurück. Für diese Theorie gibt es freilich keine Bestätigung. Allerdings wird bereits darüber spekuliert, ob der Streit den Pool-Vertrag gefährden könnte, der die Familienclans zum gemeinschaftlichen Handeln verpflichtet.

Auf Kluge soll Franz Markus Haniel als Vertreter des größten Metro-Anteilseigners neuer Aufsichtsrat werden. Ob er das Kontrollgremium führen wird, ist eine zweite Frage. Dazu müsste der Aufsichtsrat ihn wählen. Dass das schon in der Sitzung am 2. November passiert, die Kluge noch leiten wird, ist unwahrscheinlich. Vermutlich wird das erst bei einem weiteren Treffen im Dezember geschehen.

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Spekulationen, Kluge könne auch als Haniel-Chef die Brocken hinwerfen, versuchten er und das Duisburger Unternehmen gestern sofort den Nährboden zu entziehen: "Ich freue mich darauf, die Entwicklung von Haniel weiter vorantreiben zu können." Die rhetorische Rückendeckung von Franz Markus Haniel: Kluge habe ein Strategieprojekt zur zukünftigen Ausrichtung entwickelt und mit dem Aufsichtsrat abgestimmt, welches es mit Energie umzusetzen gelte. "Wir freuen uns sehr darauf, die Arbeit mit Herrn Kluge dauerhaft fortzusetzen", so Haniel. Bei der Gewerkschaft Verdi hat Kluge auch Freunde: "Herr Kluge hat für eine andere Kultur im Metro-Aufsichtsrat gesorgt, für Transparenz und Offenheit. Er hat viele Diskussionen angestoßen. Solche Offenheit hat es bei der Metro vorher über Jahre hinweg nicht gegeben", sagte ein Verdi-Sprecher auf Anfrage. Die Metro selbst zollte Kluges Entscheidung "großen Respekt und Anerkennung". Er habe sich intensiv für die Metro eingesetzt und "in einem intensiven Dialog mit dem Vorstand dessen Arbeit konstruktiv und vertrauensvoll begleitet".

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(RP)