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Weltkonjunktur im Abwärtstrend?: Merkel und Lagarde dringen auf mehr Euro-Reformen

Weltkonjunktur im Abwärtstrend? : Merkel und Lagarde dringen auf mehr Euro-Reformen

Die Spitzen internationaler Wirtschaftsorganisationen dringen auf weitere Reformen in der Euro-Zone. Sie zeigten sich zugleich besorgt über die Weltkonjunktur. "Die Erholung der Weltwirtschaft verläuft weiter in unsicheren Bahnen, die weiteren Aussichten sind ungewiss", hieß es gestern Abend in einer gemeinsamen Erklärung nach einem Treffen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin.

Daran nahmen die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, der Generalsekretär der Industrieländer-Organisation OECD, Angel Gurria, der Chef der Welthandelsorganisation WTO, Pascal Lamy, und der Chef der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, Guy Ryder, teil.

Laut IWF-Prognose bestehen für die Weltkonjunktur erhebliche Abwärtsrisiken. Die Weltwirtschaft werde 2012 nur um 3,3 Prozent und 2013 um 3,6 Prozent wachsen. "Die Schuldenstände bewegen sich in den meisten Industrieländern immer noch auf einem nicht nachhaltigen Niveau", hieß es in dem Text. Um Vertrauen wiederherzustellen, müssten konsequente Maßnahmen zur "situationsgerechten finanzpolitischen Konsolidierung" ergriffen werden, die mit Strukturreformen einhergehen müssten.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht nach wie vor Griechenland. Merkel und Lagarde signalisierten dem krisengeschüttelten Land Entgegenkommen. Zuvor hatten auch die Finanzminister von Deutschland und Frankreich, Wolfgang Schäuble und Pierre Moscovici, nach einem Treffen in Berlin erklärt, sie suchten nach einer "kompletten Lösung" für Griechenland. Diese müsse noch im November erreicht werden, um die ständige Unsicherheit zu beenden. Es sei das gemeinsame Ziel, Griechenland in der Euro-Zone zu halten.

Die Euro-Finanzminister wollen heute in einer Telefonkonferenz beraten, wie sie auf Verzögerungen beim griechischen Spar- und Reformprogramm, die Vertiefung der Rezession und eine dadurch entstehende neue Finanzierungslücke von bis zu 20 Milliarden Euro reagieren. Im Gespräch sind eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten, ein Zinserlass, ein drittes Hilfspaket und ein Rückkaufprogramm für griechische Staatsanleihen mit Hilfe des Euro-Rettungsschirms ESM. Den ebenfalls diskutierten Schuldenerlass, der direkt Steuerzahler treffen würde, lehnt Schäuble ab.

Griechenland wartet dringend auf die Freigabe einer nächsten Kredittranche von 31,5 Milliarden Euro. Andernfalls droht dem Land ab 16. November der Staatsbankrott. Der griechische Premier Antonis Samaras warnte vor Chaos. Dennoch konnten sich die drei Regierungsparteien weiterhin nicht auf ein Spar- und Reformpaket einigen, das Voraussetzung für die Auszahlung der Kredittranche ist.

Für etwas Entspannung sorgte gestern die erfolgreiche Auktion italienischer Anleihen. Die Renditen für zehnjährige Bonds sanken deutlich unter fünf Prozent. Sorgen bereitet dagegen Spanien: Auch im dritten Quartal des Jahres schrumpfte die Wirtschaft um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

(mar)