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Düsseldorf: Mehr Kliniken untersuchen Risiken für Patienten

Düsseldorf : Mehr Kliniken untersuchen Risiken für Patienten

Krankenhäuser arbeiten daran, Risikoquellen für Patienten zu identifizieren und zu beseitigen. Kritiker halten das für längst nicht ausreichend.

Zu frühe Entlassung aus dem Krankenhaus, zu hohe Medikamentendosierung, falsche Narkosemittel oder vergessenes OP-Material - zwischen 40.000 und 170.000 Fehler geschehen nach Angaben der Bundesregierung jährlich in allen Bereichen des Gesundheitssystems. Besonders im Fokus sind Krankenhäuser, die immer wieder für Horror-Meldungen sorgen. Dabei wären viele der Fehler einfach zu vermeiden - sie sind, wie Untersuchungen zeigen, oft das Resultat einer ungenügenden Organisation in den Kliniken.

Damit sich das ändert, sind Krankenhäuser seit 2014 gesetzlich verpflichtet, sogenannte Maßnahmen des klinischen Risikomanagements umzusetzen. Dass sie das auch verstärkt tun, zeigt eine Umfrage, die gestern das Institut für Patientensicherheit der Universitätsklinik Bonn vorgestellt hat. Demnach nutzen mehr als doppelt so viele Kliniken wie noch 2010 Patientenbefragungen, um Risikoquellen in ihren Häuser identifizieren zu können. So befragen 98 Prozent der 572 Krankenhäuser, die an der Online-Befragung teilnahmen, ihre Patienten, 2010 waren es nur 47 Prozent. Mehr als 90 Prozent der Kliniken werten Schadensfälle aus, machen Kennzahlen-Analysen und erheben selber Daten. "Dabei wird geschaut, wo Risiken für Patienten lauern und wie deren Sicherheit erhöht werden kann", sagt Tanja Manser von der Uniklinik Bonn.

Eine besondere Gefahr droht durch multiresistente Keime. Damit sich diese nicht verbreiten, werden Risikopatienten bei der Aufnahme auf Bakterien überprüft, bei denen gewisse Antibiotika wirkungslos und im Falle einer Infektion schwierig zu behandeln sind. Über 90 Prozent der Kliniken führen das sogenannte MRSA-Screening durch, vor fünf Jahren waren es nur 72 Prozent. "Das Thema Patientensicherheit hat deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen", sagt Manser.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, kritisiert, dass an der Umfrage nur das Krankenmanagement teilgenommen hat, aber weder Patienten noch das behandelnde Personal befragt wurden. "Das wäre so, als ob man die Auto-Industrie nach der Sicherheit der eigenen Fahrzeuge befragen würde."

Das Thema der Patientensicherheit sei zwar zu Recht mehr in den Vordergrund gerückt, an grundlegenden Problemen habe sich allerdings nichts geändert, erklärt Brysch. "An den Schnittstellen, also bei Aufnahme, Entlassung und Abteilungswechsel, werden immer noch viel zu viele Fehler gemacht." Denn jede Abteilung arbeite für sich, und es gebe niemanden, der sich für den Patienten gesamtverantwortlich zeige.

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Daher glaubt der Patientenschützer auch nicht, dass das Screening von Risikopatienten auf multiresistente Keime so gut funktioniere, wie die Kliniken behaupten: "Wenn bei der Aufnahme nicht genau nachgefragt wird und die Verlegung nicht reibungslos verläuft, werden die Risikopatienten nicht identifiziert." Die Leidtragenden seien dann vor allem alte und schwerkranke Patienten, bei denen multiresistenten Keime lebensgefährlich werden können.

(RP)