Urlaubsgeschäft Marktführer Tui erwartet weiter steigende Reisepreise

Hannover/Düsseldorf · Der Hotelpreis bei Tui sprang im abgelaufenen Geschäftsjahr um elf Prozent auf 87 Euro am Tag. NRW-Reisenden will Tui Abreisen ab Amsterdam anbieten. Mit weniger Urlaubern wegen der Fußball-EM im Sommer 2024 rechnet Tui-Chef Ebel nicht.

 Ein Flugzeug der konzerneigenen Flotte.

Ein Flugzeug der konzerneigenen Flotte.

Foto: dpa-tmn/TUI

Mit einem Sprung von 25 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro erreichte die Tui erstmals in ihrer Geschichte einen Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Euro. Auch dank deutlich gestiegener Preise verdoppelte sich der operative Gewinn im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr auf 977 Millionen Euro. Vor Corona hatte der größte Tourismuskonzern der Welt mehr als eine Milliarde Euro an Betriebsgewinn erwirtschaftet, Vorstandschef Sebastian Ebel peilt nun einen Sprung um rund 25 Prozent an, der Umsatz soll um mindestens zehn Prozent steigen: „Unsere Prognose spiegelt unsere Ambition und unser Vertrauen in die Marke wider“, sagte Ebel.

Die Zahl der Reisenden sprang im abgelaufenen Geschäftsjahr von 16,7 Millionen auf 19 Millionen hoch. 21 Millionen hatte es noch 2019 gegeben, ein Spitzenwert den Tui nun erneut anpeilt.

Im abgelaufenen Jahr nahm Tui pro Reise rund fünf Prozent mehr ein, in der nun startenden Wintersaison liegt die Preissteigerung ebenso hoch. Für das gesamte nun begonnene Geschäftsjahr rechnet Ebel eher mit Preissteigerungen von drei Prozent im Schnitt, weil die allgemeine Inflation sinken würde. Die Buchungen für Sommer 2024 sind aber im Schnitt fünf Prozent teurer als vor einem Jahr.

Dabei lief gerade das Sommergeschäft exzellent: Ein Hotelzimmer kostete mit 87 Euro am Tag neun Prozent mehr als ein Jahr davor, ein Tag auf einem Kreuzfahrtschiff spülte pro Passagier mit 250 Euro elf Prozent mehr in die Kasse als 2022.

Für den Sommer 2024 sind schon 13 Prozent mehr Buchungen reingekommen als vor einem Jahr. Von drohendem Ausverkauf in naher Zukunft kann allerdings keine Rede sein: Nicht einmal jede zehnte aus Deutschland angebotene Reise ist bereits vergeben.

Koppelgeschäfte und eine immer stärkere Digitalisierung sollen das Wachstum beschleunigen. So erhöhte die Veranstaltungsplattform Tui-Musement die Zahl der vermittelten Ausflüge, Museumsbesuche oder Tauchtouren um 34 Prozent auf 9,4 Millionen. Weil sich gleichzeitig immer mehr Kunden auf einer der zentral gesteuerten Apps von Tui anmelden, kann der Konzern nun den Nutzern von Ausflügen wiederum Hotelzimmer anbieten und den Urlaubern in Ferienanlagen wie dem Club Robinson im Gegenzug noch mehr Touren in der Umgebung. „Wir wollen durch stärkere Synergien im Unternehmen viel mehr zulegen“, sagte Ebel. So wie es Amazon gelungen sei, sich als Allroundanbieter für E-Commerce zu profilieren, wolle Tui sich als sehr breit aufgestellter Anbieter im Tourismus aufstellen, statt vorrangig Hotelbetten am Mittelmeer zu vermitteln.

Der Vorstandschef denkt auch an ungewöhnliche, neue Angebote: Weil die zentralen Computer von Tui sowieso alle Offerten steuern, könnte Reisenden aus Deutschland häufiger auch Reisen ab dem Amsterdamer Flughafen Schiphol angeboten werden, so Ebel. Das wäre natürlich vorrangig für Bürger von NRW interessant.

Auf Nachfrage sagte er, er rechne nicht damit, dass die Urlaubsfreude im Sommer 2024 wegen der Fußball-EM niedriger liegen würde. Die Fans könnten ja auch in jedem Urlaubshotel die zwischen dem 14. Juni und 14. Juli laufenden Spiele anschauen. Außerdem witzelte er: „Nach drei Spielen werden wir ja raus sein.“ Als ernsthafte Prognose gemeint war das nicht, Sachverstand hat Ebel trotzdem: Er war von 2007 bis 2020 Präsident von Eintracht Braunschweig.

Nachdem Tui die Corona-Krise nur dank Staatshilfe in Milliardenhöhe überlebt hatte, liegen die Schulden nun noch bei 2,1 Milliarden Euro. Finanzvorstand Mathias Kiep deutete an, nun seien wieder Zukäufe möglich.

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