Lufthansa streicht 3500 Jobs

Lufthansa streicht 3500 Jobs

Die Fluggesellschaft will ihre Verwaltungskosten um ein Viertel senken. Allein in Deutschland kappt sie 2500 Jobs. Besonders bedroht ist die Hauptverwaltung in Köln: Das Rechnungswesen steht ganz oben auf der Prüfliste. Wie lange bleibt Köln noch Hauptsitz der Lufthansa?

Düsseldorf/Köln Die Hauptverwaltung der Lufthansa in Köln droht zum Opfer des neuen Sparprogramms zu werden. "Wir prüfen derzeit, ob wir uns noch eine Lufthansa-Hauptverwaltung in Köln leisten wollen", sagte gestern ein hochrangiger Lufthansa-Manager gegenüber unserer Zeitung. Ein Sprecher der Airline dementierte entsprechende Pläne: "Köln bleibt Konzernsitz und Sitz der Hauptverwaltung", so der Sprecher. Allerdings bestätigte Lufthansa-Chef Christoph Franz gestern in einer Telefonkonferenz, dass er in der Tat weltweit 3500 der 120 000 Arbeitsplätze streichen will, 2500 davon in Deutschland. Hier hat die Lufthansa bislang über 90 000 Mitarbeiter.

Allein für diese Bestätigung hat die Lufthansa fast eine Woche gebraucht. Verschiedene Medien hatten genau diese Zahlen in ihren Berichten über das neue Lufthansa-Sparprogramm "Score", mit dem der Kranich bis 2014 mindestens 1,5 Milliarden Euro einsparen will, bereits genannt. In der vergangenen Woche versuchte die Lufthansa aber noch, den durchgesickerten Plan als "Vorstudie" abzutun. Entsprechend verärgert sind Betriebsräte und Gewerkschaften über das Kommunikationsverhalten der Airline. "Die geben nur zu, was ohnehin bekannt wird. Diese Salami-Taktik sorgt für größte Unruhe bei den Mitarbeitern", sagte gestern eine Verdi-Sprecherin.

Obwohl die Fäden von Deutschlands größter Fluggesellschaft längst in Frankfurt zusammenlaufen, ist Köln formal immer noch Hauptsitz der Airline. In der Hauptverwaltung gegenüber der Kölner Messe beschäftigt die Lufthansa mehr als 700 Mitarbeiter, insgesamt arbeiten in Köln noch 2500 Lufthanseaten. Franz kündigte gestern "die Ausgliederung von Tätigkeiten" an, um die Verwaltungskosten um 25 Prozent zu senken. Unter Betriebswirten gilt das Rechnungswesen stets als erste Adresse, wenn Verwaltungsaufgaben ausgegliedert werden sollen: Gegenwärtig lagert zum Beispiel auch der Leverkusener Pharma-Konzern Bayer Teile seines Rechnungswesens nach Manila aus. Nach Angaben eines Sprechers ist "der größte Teil der Kölner Verwaltung für das Rechnungswesen des Konzerns zuständig".

Die Lufthansa wurde 1953 in Köln gegründet. Seitdem ist der Konzernsitz ohne Unterbrechung in Köln. Allerdings hat im Laufe der Jahre fast der komplette Vorstand seinen Sitz von Köln in das neue operative Zentrum der Lufthansa in Frankfurt verlagert. Inzwischen hat nur noch Finanzvorstand Stephan Gemkow sein Büro in Köln. Gemkow verlässt die Lufthansa und wechselt in wenigen Wochen an die Spitze des Duisburger Firmen-Imperiums Haniel.

Den repräsentativen Firmensitz im 95 Meter hohen Lufthansa-Turm am Deutzer Rheinufer hatte der Konzern schon vor fünf Jahren aufgegeben und stattdessen neue Büroflächen angemietet. In den Lufthansa-Turm zieht jetzt der Chemiekonzern Lanxess.

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Auch in Düsseldorf, wo die Lufthansa 2400 Mitarbeiter hat, macht sich Sorge breit: Mehrere Hundert Mitarbeiter sind auch dort in der Verwaltung tätig. Die genaue Zahl wollte die Lufthansa gestern nicht nennen. Nach Recherchen unserer Zeitung sind es etwa 800.

Wie Franz gestern in der Telefonkonferenz erläuterte, will die Lufthansa ein Drittel des gesamten Score-Sparvolumens durch die Senkung von Personalkosten realisieren. Franz sagte: "Nur wenn wir jetzt die administrativen Funktionen neu strukturieren und auch einen Stellenabbau in Kauf nehmen, können wir langfristig Arbeitsplätze erhalten." Ziel sei, bei dem Stellenabbau "vorrangig" sozialverträgliche Maßnahmen anzuwenden. Mit dieser Formulierung will Franz betriebsbedingte Kündigungen offenkundig ausdrücklich nicht ausschließen.

Neben den neuen Informationen zum Score-Sparprogramm veröffentlichte die Lufthansa gestern auch schlechte Zahlen für das erste Quartal: Operativ verbuchte sie von Januar bis März einen Verlust von 381 Millionen Euro. Vor einem Jahr war das Minus mit 169 Millionen Euro noch deutlich kleiner. Der Umsatz wuchs um sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Das Plus wurde jedoch von den um 23 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro gestiegenen Ausgaben für Kerosin aufgezehrt. Die Tankrechnung der Airline dürfte in diesem Jahr um geschätzte 1,2 Milliarden auf 7,5 Milliarden Euro steigen, so Finanzvorstand Gemkow.

Zwar hält die Lufthansa an ihrer Jahresprognose von einem operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich fest. Allerdings betont der Konzern: "Etwaige Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit dem Konzernprogramm Score sind in dieser Ergebnis-Prognose nicht enthalten und können sich belastend auf das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres auswirken."

Klar. Schließlich hat die Gewerkschaft Verdi auch schon massiven Widerstand gegen den Personalabbau und etwaige Kündigungen angekündigt.

(RP)
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