Düsseldorf: Lufthansa stärkt Düsseldorf

Düsseldorf : Lufthansa stärkt Düsseldorf

Der deutsche Marktführer will ab kommenden Sommer von Düsseldorf aus zwei Ziele in Asien direkt anfliegen – wahrscheinlich Delhi und Tokio. Damit behauptet der Flughafen der Landeshauptstadt sich erneut gegen die Krise.

Nur zwei Tage, nachdem die Lufthansa die Börse mit einer Gewinnwarnung schockiert und ihre vollmundigen Pläne für den Ausbau ihres Netzes in Teilen kassieren musste, überrascht sie jetzt doch wieder mit guten Nachrichten. Und zwar für Fluggäste aus Nordrhein-Westfalen: "Ab Sommer nächsten Jahres bieten wir erstmals Direktflüge von Düsseldorf nach Asien an", sagte gestern ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Die genauen Ziele stehen noch nicht fest. In Konzernkreisen heißt es aber, Tokio (Japan) und Delhi (Indien) gelten als gesetzt, die Verhandlungen mit den dortigen Flughäfen seien auf der Zielgeraden.

Auch dürfen sich einige Düsseldorfer Kurz- und Mittelstrecken-Passagiere der Lufthansa auf ein kleines Bonbon freuen. Mussten sie bislang im Gegensatz zu den Langstreckenpassagieren auf Bordunterhaltung verzichten, soll sich das ändern: Mittelfristig will der Kranich auch auf der Kurz- und Mittelstrecke Sitzmonitore zum Abspielen individuell wählbarer Filme in der Eco-Klasse einführen. Die Düsseldorfer kommen als erste in den Genuss der neuen Bordunterhaltung: Hier werden die neuen Systeme noch in diesem Jahr zu Testzwecken eingeführt – allerdings vorerst nur auf sehr wenigen ausgewählten Verbindungen.

Während inzwischen die gesamte deutsche Flugbranche mit voller Wucht den konjunkturellen Gegenwind zu spüren bekommt, scheint der Düsseldorfer Flughafen sich erstaunlich gut zu behaupten. Schon vor fünf Wochen musste Air Berlin einen noch viel dramatischeren Sparkurs als jetzt die Lufthansa ankündigen – der Lufthansa-Rivale wird sogar seine Flotte um 18 Flugzeuge verkleinern. Aber genau wie die Lufthansa will auch Air Berlin den Flughafen der Landeshauptstadt so gut es geht schonen: "Langfristig wird Düsseldorf bei uns augebaut", sagte gestern eine Air-Berlin-Sprecherin und deutete ebenfalls neue Langstrecken-Verbindungen ab Düsseldorf an, die Air Berlin dann über die One-World-Allianz anbieten will. Zur One-World-Gruppe gehört neben den Groß-Fluggesellschaften British Airways, Quantas und American Airlines neuerdings eben auch Air Berlin. Kurzfristig muss der Lufthansa-Rivale in Düsseldorf allerdings sparen: Paris (Frankreich), Rijeka (Kroatien), Bilbao (Spanien), Malaga (Spanien), Alicante (Spanien), und Faro (Portugal) werden im kommenden Winterflugplan entweder gar nicht mehr oder nur noch ausgedünnt angeboten.

Seine starke Stellung verdankt der Düsseldorfer Flughafen neben seinem dicht besiedelten Einzugsgebiet und der Rolle Düsseldorfs als Wirtschaftsmetropole auch der rund vier Jahre zurückliegenden Entscheidung von Lufthansa und Air Berlin, hier Drehkreuze zu errichten. Drehkreuze sind innerhalb der Netze der Fluggesellschaften Knotenpunkte, an denen Passagiere aus kleineren Zubringer-Maschinen aus ganz Europa gesammelt werden, bevor sie am Drehkreuz in größere Langstreckenmaschinen umsteigen. Im Gegensatz zu Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ist die Drehkreuz-Strategie für die Fluggesellschaften bis auf wenige Ausnahmen deutlich kostengünstiger.

Mit den neuen Strecken nach Asien wird die Lufthansa ihr Langstrecken-Angebot ab Düsseldorf beinahe verdoppeln. Bislang fliegt sie ab Düsseldorf lediglich New York, Chicago und jeweils im Wechsel Miami oder Toronto an. Vor vier Jahren hatte Air Berlin auch schon einmal eine Asien-Verbindung ab Düsseldorf zu etablieren versucht. Das Projekt war nach wenigen Wochen gescheitert.

(RP)
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