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Lufthansa macht weiter, der Flughafen Düsseldorf begrüßt dies.

Konzernsanierung : Aktionäre stimmen Lufthansa-Rettung zu

Trotz des Einbruchs der Buchungen ist Europas größte Airline vorerst gesichert. Die Aktionäre gab grünes Licht für den Einstieg des Staates. Doch erst 2023 erwartet Vorstandschef Spohr eine vollständigen Erholung. In NRW sind der Verkehrsminister und der Flughafen Düsseldorf froh über die Rettung.

Aufatmen in Frankfurt und Berlin: Die Hauptversammlung der Lufthansa nahm am Donnerstag das mit der Bundesregierung vereinbarte Rettungspaket in Höhe von neun Milliarden Euro mit 98 Prozent der Stimmen an. Schon am Morgen war der Aktienkurs um zeitweise zehn Prozent in die Höhe gesprungen, weil der wichtigste Aktionär, der Münchener Milliardär Heinz Hermann Thiele, angekündigt hatte, doch zuzustimmen. Der 79-Jährige hält 15,5 Prozent der Aktien und hatte in den Tagen zuvor kritisiert, dass der Bund im Rahmen des Rettungspakets 20 Prozent der Anteile erhalten und zwei der 20 Aufsichtsräte stellen soll. Seinen Verzicht auf eine Blockade erklärte Thiele nun damit, auch er habe keine Insolvenz der Fluggesellschaft riskieren wollen.

Die Bundesregierung begrüßte die Annahme der Vereinbarung. Vorstandschef Carsten Spohr sagte: „Die Entscheidung unserer Aktionäre sichert der Lufthansa eine Perspektive für eine erfolgreiche Zukunft.“ Die Beschäftigten hatten zuvor am Flughafen Frankfurt dafür demonstriert, dass die Aktionäre das Rettungspaket absegnen. Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley sagte: „Ich bin beeindruckt, wie sich die Mitarbeiter einreihen.“

Thomas Schnalke, Chef des Airports Düsseldorf, lobte die Rettung: „Die finanzielle Stabilisierung der Lufthansa-Gruppe ist für die wirtschaftliche Erholung des Luftverkehrs in Deutschland ein wichtiger Schritt. Der Flughafen Düsseldorf begrüßt diese Entwicklung. Sie stärkt zugleich die Lufthansa-Tochter Eurowings, die größte Airline an unserem Airport ist.“

Auch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) gab sich zufrieden: „Es ist eine gute Nachricht, dass die Lufthansa-Aktionäre der Hilfe für das Unternehmen zugestimmt haben. Das gibt der Airline Zeit, sich neu aufzustellen. Auch mit neuem Mobilitätsverhalten brauchen wir eine starke Lufthansa."

Auf der virtuellen Versammlung hatten Spohr und Kley leidenschaftlich für die Annahme des Rettungspakets geworben. „Wir haben kein Geld mehr. Bis heute leben wir von den Reserven, die wir in guten Jahren zurückgelegt haben“, sagte Kley. Vorstandschef Spohr erklärte auf schriftlich eingereichte Fragen der Aktionäre immer wieder, es habe keine Alternative zu dem Vertrag mit dem Staat gegeben: „Ohne das Stabilisierungspaket würde uns die Zahlungsunfähigkeit drohen. Ich spreche für 138.000 Mitarbeiter. Wir sind dankbar für diese Hilfe.“

Die Aktionäre stellten vorrangig kritische Fragen dazu, dass der Bund Aktien in Höhe von 20 Prozent des Kapitals für einen Einzelpreis von 2,56 Euro erhält, wogegen der aktuelle Kurs bei fast zehn Euro liegt. Spohr antwortete, der Bund habe auf diesem günstigen Einstieg bestanden, weil er im Gegenzug Lufthansa mit Krediten und einer stillen Beteiligung in Höhe von knapp neun Milliarden stabilisiere. Der aktuell relativ gute Kurs sei nur erklärbar, weil der Kapitalmarkt auf diese Hilfe des Bundes vertraue. Sonst „würde der vollständige Verlust des Aktienkapitals drohen“, so Spohr.

Der Vorstandschef kündigte an, der Konzern müsse in den nächsten Jahren massiv sparen, um trotz des schwachen Geschäfts die neun Milliarden Euro inklusive Zinsen zurückzahlen zu können. Es sei gut, dass die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (Piloten) und Ufo (Flugbegleiter) große Zugeständnisse gemacht hätten. Nun sei auch Verdi für das Bodenpersonal dran.

Frühestens 2023 hält er es für denkbar, dass die Lufthansa wieder so viele Passagiere hat wie im vergangenen Jahr. Die Lufthansa werde künftig rund 100 Jets weniger betreiben als die bisherigen 760 Maschinen.

Kurz vor Beginn der Hauptversammlung hatte die EU-Kommission ihre Zustimmung zum Rettungspaket erteilt. Als Bedingung muss Lufthansa einige Start- und Landerechte in Frankfurt und München abgeben. Außerdem darf der Konzern vorerst keine Dividenden zahlen, es gibt auch keine Boni für die Vorstände. Lufthansa hat sich verpflichtet, vorläufig keine größeren Übernahmen zu wagen. Der Konzern darf die deutsche Staatshilfe also nicht nutzen, um schwächere Wettbewerber wie Alitalia zu schlucken. Der Konkurrent Ryanair will trotzdem gegen die Staatshilfe vorgehen. Der Vorstand betonte mehrfach, dass der Bund sich verpflichtet habe, sein Paket von 20 Prozent in wenigen Jahren abzugeben und in das Geschäft nicht reinzureden.

Der streitbare Milliardär Thiele erklärte dagegen für sich das Gegenteil: „Ich werde auch in Zukunft Einfluss nehmen auf die Entwicklung der Lufthansa.“