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Düsseldorf: Lufthansa kürt am 4. Dezember ihren neuen Chef

Düsseldorf : Lufthansa kürt am 4. Dezember ihren neuen Chef

Favorit ist Carsten Spohr. Der neue Lenker muss die Lufthansa für den Großangriff der arabischen Etihad rüsten.

Der Aufsichtsrat der Lufthansa will den Nachfolger für Vorstandschef Christoph Franz am 4. Dezember wählen. Zwar widerspricht der Konzern einen Bericht des "Manager Magazins" und verweist auf einen "professionellen Prozess", in dem der neue Chef "mit offenem Zeitplan gesucht" werde. Aber ein Konzerninsider bestätigte: "Wir stecken mitten im Konzernumbau. Der Neue muss und wird vor Weihnachten kommen."

Franz hatte im September seinen Wechsel zum Pharmariesen Roche angekündigt. Seither gilt der 46-jährige Carsten Spohr als Favorit für die Nachfolge. Die Lufthansa arbeitet gerade ein milliardenschweres Sparprogramm ab, hat den Abbau von 3500 Stellen beschlossen und überträgt fast den gesamten Europaverkehr auf die konzerneigene Billigtochter Germanwings.

Während die Lufthansa also eigentlich schon genug mit sich selbst beschäftigt ist, zeichnet sich für den neuen Chef aber auch eine neue Gefahr von außen ab: Die arabische Fluggesellschaft Etihad, mit 29,2 Prozent und einem dreistelligen Millionen-Kredit bei Air Berlin engagiert, rüstet sich für den Frontalangriff auf die Lufthansa.

Wie der Flugzeugbauer Airbus gestern mitteilte, hat Etihad soeben 87 Flugzeuge zu einem Gesamtlistenpreis von 19 Milliarden Dollar bestellt. Am Vortag bestellte Etihad 25 Boeings vom Typ 777. Ziemlich genau zwei Jahre nach dem Großeinstieg von Etihad bei der schwer angeschlagenen Air Berlin zeichnet sich ab, warum die Araber trotz der chronischen Air-Berlin-Verluste an dem Investment festhalten: Um all diese Flugzeuge zu füllen, brauchen die Araber neue Kundschaft. Sie nutzen Air Berlin als Autobahn in den deutschen Markt. Denn Air Berlin hat hier genau die Flugrechte und die Marktpräsenz, die Etihad braucht, um ihr gigantisches Drehkreuz in Abu Dhabi mit Passagieren aus Deutschland zu füllen.

Allenfalls von der Fachwelt bemerkt wurde in den vergangenen Tagen der Einstieg von Etihad bei der kleinen Schweizer Regional-Fluggesellschaft Darwin Airline. Dabei sagte Etihad-Chef James Hogan sogar öffentlich: "Dieser Schritt ist gleichbedeutend mit einer Neuausrichtung unserer Strategie." Darwin soll nämlich Basis für eine neu gegründete Etihad Regional sein. Das teure Investment bei Air Berlin war also kein kaufmännisches Missgeschick, sondern Schablone für die systematische Durchdringung des europäischen Marktes. Mit ersten Erfolgen: Während die Lufthansa im Europageschäft kapituliert und den Verkehr ihrer Billigtochter Germanwings überlässt, verdoppelt Etihad am Drehkreuz München gerade seine Kapazitäten.

(RP)