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Düsseldorf: Luftfahrt will Nachtflugverbot aufweichen

Düsseldorf : Luftfahrt will Nachtflugverbot aufweichen

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hat der Bundesregierung Eckpunkte für ein neues Luftverkehrskonzept vorgeschlagen. In dem Papier stellt der Verband auch defizitäre Regionalflughäfen in Frage.

Die Luftfahrtindustrie will sich mehr Spielraum für Nachtflüge verschaffen. Gestern legte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) einen Forderungskatalog für das nationale Luftverkehrskonzept vor, das CDU/CSU und SPD in ihrem Berliner Koalitionsvertrag angekündigt haben. Das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium ist dafür offen. "Das Papier ist eine gute Grundlage", sagte gestern ein Ministeriumssprecher. Teile des BDL-Kataloges fänden sicher Eingang in künftige Regelungen.

Der BDL greift unter anderem Vorschläge einer Expertenkommssion unter Führung des ehemaligen hessischen Wirtschaftsminsters Dieter Posch (FDP) auf, an der Bundes- und Landespolitiker beteiligt waren. Laut BDL soll die Politik jetzt nationale Schwerpunkt-Flughäfen festlegen, "wo dauerhaft Nachtflugoptionen erhalten bleiben oder bei Bedarf erweitert werden". Noch vermeidet der Verband, diese Airports aufzuzählen. In dem Papier ist nur von "Drehkreuzen" die Rede. Diese seien "im strategischen Interesse eines Landes". Demnach geht es dem BDL um die Drehkreuze Düsseldorf, Frankfurt und München sowie den vor allem für den Frachtverkehr wichtigen Flughafen Köln-Bonn. Zum Schutz der Anwohner sind Nachtflüge in Düsseldorf und Frankfurt verboten und in München nur eingeschränkt zulässig. In Köln dürfen Frachtflugzeuge auch nachts starten und landen.

Auch jenseits der Drehkreuze will der BDL "Betriebsbeschränkungen nur als letztes Mittel". Zuvor müssten andere Möglichkeiten wie der Ersatz lauter Flugzeuge, die Nachrüstung mit Schalldämpfern und passiver Schallschutz etwa durch Lärmschutzfenster ausgeschöpft werden. Er bringt auch eine "lärmabhängige Entgeltkomponente" ins Spiel: Flüge in lauten Flugzeugen und zu lärmsensiblen Uhrzeiten sollen also teurer werden. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) sagte, an besonders wichtigen Flughäfen müssten Flugzeuge "Tag und Nacht fliegen dürfen". Am Nachtflugverbot in Düsseldorf werde aber "nicht gerüttelt". Allerdings will der Landeshauptstadt-Flughafen im Sommer eine neue Betriebsgenehmigung beantragen, über die Groschek entscheiden muss. Ziel ist nach Angaben eines Flughafensprechers auch eine stärkere Nutzung am frühen Morgen und späten Abend. Zum zweitgrößten NRW-Flughafen sagte Groschek: "Für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen ist elementar wichtig, dass der Flughafen Köln-Bonn Frachtflüge auch weiterhin nachts abwickeln darf."

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Der verkehrspolitische Sprecher der in NRW mitregierenden Grünen, Arndt Klocke, betonte hingegen, dass die Erlaubnis für nächtliche Frachtflüge in Köln nur bis 2030 gelte. "Sie wird mit uns auch nicht verlängert", so Klocke. Bernd Schemmer, verkehrspolitischer Sprecher der CDU im Landtag, sieht weder in Köln noch in Düsseldorf Änderungsbedarf.

Neben effizienteren Sicherheitskontrollen an Flughäfen fordert der BDL indirekt auch eine Bereinigung der deutschen Flughafen-Landschaft. "Betriebssubventionen dürfen nur in Ausnahmefällen genehmigt werden", heißt es in dem Konzept. Teile der Landespolitik werfen den nordrhin-westfälischen Flughäfen Weeze, Dortmund und Münster oft vor, nur mit Hilfe öffentlicher Gelder überleben zu können, und fordern deren Schließung. Die betroffenen Flughäfen wehren sich gegen solche Angriffe mit Berechnungen, die ihre Profitabilität beweisen sollen.

(RP)