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Konsum: Lieber Urlaub als Weihnachtsgeschenke

Konsum : Lieber Urlaub als Weihnachtsgeschenke

Obwohl die Kaufkraft der Deutschen hoch wie nie ist, bleibt das Geschäft hinter den Erwartungen der Einzelhändler zurück. Viele Deutsche setzen andere Prioritäten. Last-Minute-Shopper sollen die Umsätze unmittelbar vor Weihnachten noch ankurbeln.

Obwohl die Innenstädte kurz vor Weihnachten wieder aus allen Nähten platzen, ist der deutsche Einzelhandel nur mäßig zufrieden mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft (November, Dezember). "Es ist lediglich eine flache Wachstumsrate erkennbar", sagt Kai Falk vom Handelsverband Deutschland (HDE). Der Umsatz halte sich aber trotzdem stabil.

Vor allem die Geschäfte im Sport- und Textilhandel verliefen aufgrund des milden Wetters eher mäßig. "Spielwaren, Möbel, Einrichtungsgegenstände und Elektroartikel verkaufen sich aber gut", erklärt Falk.

Überdurchschnittlich positiv bewerteten Händler, die zusätzlich auch im Internet aktiv sind, das diesjährige Weihnachtsgeschäft. Laut HDE werde der Multichannel-Handel immer beliebter. "Viele stationäre Händler nutzen die neuen Vertriebskanäle. Der Umsatz geht vom Geschäft ins Netz", erläutert Falk.

Dass der Verkauf von Produkten im Internet immer bedeutender wird, schlägt sich auch in Zahlen nieder. Der HDE geht davon aus, dass der Onlinehandel während der Weihnachtszeit ein Umsatzplus von 18 Prozent auf dann zehn Milliarden Euro machen wird. Für das gesamte Weihnachtsgeschäft prognostiziert der Branchenverband dagegen lediglich ein Umsatzplus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das nur mäßig laufende Weihnachtsgeschäft verwundert, da die Kaufkraft der Deutschen gleichzeitig so kräftig steigt wie seit über drei Jahren nicht mehr. Der Grund: niedrige Inflation und höhere Löhne. Von Juli bis September legten die Reallöhne um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, teilte das Statistische Bundesamt mit. Hauptgrund dafür sei die geringe Teuerung: Die Verbraucherpreise erhöhten sich in dieser Zeit mit 0,8 Prozent nur etwa halb so stark wie im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Das wurde durch steigende Löhne wettgemacht: Diese legten mit 2,6 Prozent gut dreimal so stark zu. Dadurch blieb den Beschäftigten nach Abzug der Inflation deutlich mehr Geld in den Taschen.

Auch für das Gesamtjahr 2014 zeichnet sich ein deutlicher Reallohnzuwachs ab. Die Löhne legten in den ersten neun Monaten um durchschnittlich 2,7 Prozent zu und damit fast dreimal so stark wie die Verbraucherpreise mit 1,0 Prozent.

Wieso schlägt sich diese Entwicklung also nicht positiv im Weihnachtsgeschäft nieder? "Der Einzelhandel ist nur ein Teil des Konsums", erklärt Falk. Viel Geld fließe stattdessen in die immer höheren Energiepreise, in Reisen oder in die Gesundheitsvorsorge. Zudem spiele der gesättigte Markt eine Rolle. "Wir beobachten seit Jahren einen stagnierenden Einzelhandel."

Nun macht sich der Handel für den großen Ansturm kurz vor dem Fest bereit. "Viele Kunden nutzen die Tage bis zum Heiligen Abend für den Einkauf", sagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE. Besonders der Lebensmittelhandel rechne vor den Feiertagen mit starken Umsätzen. "Wir gehen in diesem Jahr beim Geschenkkauf von besonders vielen Last-Minute-Shoppern aus."

Denn der Kalender biete den Kunden zwischen viertem Advent und Heiligabend noch zwei zusätzliche Einkaufstage. Immer wichtiger werde zudem die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn viele Zeit zum Bummeln und Einkaufen haben. "Viele Bargeldgeschenke und Gutscheine werden direkt nach den Feiertagen ausgegeben und eingelöst. Die Tage zwischen den Jahren sind deshalb noch einmal ein Highlight für die Händler", so Genth.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hochbetrieb im Weihnachtsgeschäft bei Amazon

(RP)