Lehrerverband: Befristungen für Lehrer "schwer erträglich"

Viele Betroffene im Sommer ohne Geld: Lehrerverband nennt Befristungen für Lehrer "schwer erträglich"

Tausende Lehrer werden zu Beginn der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit entlassen - um danach wieder eingestellt zu werden. Der Deutsche Lehrerverband nennt diese Praxis „schwer erträglich“.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hält den Umgang mit befristet angestellten Lehrern angesichts des Lehrermangels in Deutschland für einen Skandal.

Es würden nicht nur Schulen vor den Sommerferien Tausende Lehrer mit befristeten Verträgen entlassen, um Geld zu sparen, sagte Meidinger der "Passauer Neuen Presse" vom Dienstag. Das Problem sei noch größer: "Viele Betroffene konnten gar kein Arbeitslosengeld beantragen, weil sie zu kurz beschäftigt waren, um überhaupt anspruchsberechtigt zu sein."

Meidinger nannte es zudem "schwer erträglich", dass die Betroffenen zudem oft monatelang völlig in der Luft hingen, ob es einen Folgevertrag gebe. Die Befristungen führten zudem zu häufigem Lehrerwechsel. Oft seien die Schulen verpflichtet, die befristeten Lehrer nicht weiter zu beschäftigen, damit diese sich nicht einklagen könnten.

Auch für die Schüler habe es Nachteile, wenn Pädagogen um ihren Arbeitsvertrag zittern müssten. "Für die Schüler ist es kein Vorteil, wenn sie sich ständig auf neue Lehrer umstellen müssen."

Am Montag hatte die Deutsche Presse-Agentur dpa eine Umfrage unter den Kultusministerien der Länder hinsichtlich der Entlassung von Lehrern zu Beginn der Sommerferien vorgestellt. Diese ergab, dass vor allem Vertretungslehrer im Angestelltenverhältnis von dieser Praxis betroffen sind. Die Länder sparen dadurch Millionen ein.

So meldeten sich nach einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit in den Sommerferien 2017 rund 4900 Lehrkräfte arbeitslos. Die Bundesagentur für Arbeit registrierte in den vergangenen Sommerferien die meisten Arbeitslosmeldungen von Lehrkräften in Baden-Württemberg (rund 1680), Bayern (860) und Niedersachsen (470). Auch im relativ kleinen Hamburg (260) sei das Phänomen besonders erkennbar gewesen.

In diesem Jahr sieht es nicht viel besser aus. In Baden-Württemberg etwa sind es nach Angaben eines Sprechers des Kultusministeriums 3300 Lehrer, deren Arbeitsvertrag spätestens mit dem Beginn der Sommerferien am 26. Juli endet. In Mecklenburg-Vorpommern läuft zum Ende des Schuljahres für 171 Lehrer an öffentlichen Schulen die befristete Anstellung aus. In Saarland sind nach Kultusministeriumsangaben dieses Jahr nur 38 Lehrer betroffen. In Nordrhein-Westfalen, Hessen und auch in Sachsen-Anhalt ist die Sommerarbeitslosigkeit von Lehrern eher kein Aufreger-Thema.

(das/AFP/dpa)