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Düsseldorf: LEG steht vor dem Börsengang

Düsseldorf : LEG steht vor dem Börsengang

Goldman Sachs und die Deutsche Bank sollen die Aktien des Konzerns Anfang 2013 platzieren.

Mit der vor vier Jahren privatisierten "Landesentwicklungsgesellschaft NRW" (LEG) soll im ersten Quartal des kommenden Jahres eines der größten Wohnungsunternehmen des Landes an die Börse gehen. Das erfuhr unsere Zeitung gestern aus Unternehmenskreisen. Die neuen Eigentümer haben demnach den ursprünglich vagen Plan für einen eventuellen Börsengang der LEG im kommenden Jahr in den vergangenen Wochen deutlich forciert. Die Vorbereitungen für die Präsentationsunterlagen, mit denen das LEG-Management im kommenden Jahr bei Investoren für die LEG-Aktien werben wollen, laufen bereits. Die so genannte "Roadshow" soll im Februar beginnen. "Die Eigentümer wollen den Börsengang, bevor die Euro-Krise das Umfeld wieder verschlechtert", hieß es gestern in der zweiten LEG-Führungsebene.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Finanzkreise, die LEG werde von der US-Investmentbank Goldman Sachs sowie von der Deutschen Bank an die Börse gebracht. Goldman Sachs managt den "Whitehall"-Fonds, der die LEG 2008 zusammen mit der US-Firma "Perry Capital" übernommen hat. Richard Cayne Perry ist ein ehemaliger Goldman-Sachs-Mitarbeiter. Whitehall hält nach Angaben der LEG aktuell gut 81 Prozent an dem Unternehmen, Perry Captial knapp 17 Prozent.

Mit 90 000 Wohnungen in rund 100 NRW-Städten, 250 000 Mietern und einer Bilanzsumme von zuletzt knapp fünf Milliarden Euro gehört die LEG zusammen mit ihrem Wettbewerber "Deutsche Annington" und der bereits börsennotierten "Gagfah" zu den drei größten Immobilienkonzernen des Landes. Unter der schwarz-gelben Landesregierung wurde die LEG 2008 privatisiert. Der Verkauf löste bei Mieterverbänden und der damaligen rot-grünen Opposition massive Kritik aus, weil sie eine deutliche Verschlechterung der Mietbedingungen befürchteten. Eine noch bis 2018 gültige Sozialcharta soll dies unter anderem mit strengen Auflangen für eventuelle Weiterverkäufe, Mieterhöhungen und Instandhaltungsprogramme verhindern.

Ein LEG-Sprecher sagte, dass die Sozialcharta aus Sicht der Eigentümer und der LEG einem Börsengang nicht im Wege steht. Die Planungen für einen Börsengang bestätigte er nicht. Der Sprecher sagte aber: "Die Reorganisation der LEG ist abgeschlossen, und die Refinanzierung langfristig gesichert. Die LEG ist damit ab 2013 grundsätzlich kapitalmarktfähig und hierfür bestens gerüstet. Ob und wann ein Börsengang stattfindet, hängt von der Entscheidung der Eigentümer ab."

Dieter Hilser (SPD), Vorsitzender des Bau-Ausschusses im Düsseldorfer Landtag, berichtet von Gesprächen mit LEG-Managern in der vergangenen Woche, in denen "auch von einem möglichen Börsengang die Rede war". Er will seine Meinung zu einem LEG-Börsengang davon abhängig machen, ob die künftige LEG-Strategie weiterhin auf zufriedene Mieter setzt, oder ob die LEG zu Lasten der Mieter zu einer Drehscheibe für schnelle Profite gemacht werden soll. CDU-Politiker äußerten sich ähnlich.

Der Immobilien-Analyst des Bankhauses Lampe, Georg Kanders, sagte: "Die Börsenpläne überraschen mich nicht. Das Umfeld dafür ist derzeit gut. Die LEG sollte sich damit nicht mehr viel Zeit lassen." Goldman Sachs hatte 2011 schon den Berliner Immobilienkonzern GSW an die Börse gebracht. Auch die Deutsche Annington strebt an die Börse. Finanzvorstand Stefan Kirsten hatte dafür das vierte Quartal 2013 in Aussicht gestellt.

(RP)