Berlin: Lebensversicherer schreiben weniger gut

Berlin : Lebensversicherer schreiben weniger gut

Die Branche sieht aber vorerst keine Anbieter in Gefahr. Gleichwohl leidet sie unter Vertrauensverlust.

Kunden von Lebensversicherern werden ihre Policen in der Zukunft weniger einbringen. "Ein anhaltend niedriges Zinsniveau wird zwingend auf die Gesamtverzinsung drücken", sagte Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Ab Anfang 2012 entfällt zudem die 50-prozentige Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven der Versicherer weg. Das hatte die Bundesregierung jüngst beschlossen. Kunden, deren Verträge kurz vor der Auszahlung stehen, sollen beraten werden, ob eine Kündigung bis Jahresende oder ein Durchhalten sinnvoller ist.

Hoenen machte deutlich, dass die Sorgen um garantierte Leistungen "kurz- und mittelfristig" unbegründet seien. Noch immer könnten die Versicherer mit neuen Anlagen einen höheren Zins erzielen als die 3,2 Prozent, welche die Branche ihren Kunden im Schnitt garantiert hat. Aktuell liege die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen bei etwa vier Prozent. "Lediglich ein Zehntel unserer Gelder müssen jährlich neu angelegt werden", betonte Norbert Heinen, beim GDV für Lebensversicherungen zuständig. Auch kleine Lebensversicherer könnten in den nächsten Jahren ihre Garantien erfüllen, wie die Finanzaufsicht Bafin festgestellt habe.

Gleichzeitig hat die Branche aber mit Vertrauensproblemen zu kämpfen. Das zeigt sich vor allem an einem massiven Einbruch bei Riester-Renten. Die Verkaufszahlen gehen um ein Drittel auf rund 620 000 Verträge zurück. Insgesamt ist das Neugeschäft in der Lebensversicherung um 5,1 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro gesunken.

Die staatlich geförderte Riester-Rente ist laut Hoenen "systematisch" mit "haarsträubenden" Behauptungen diskreditiert worden. Jeder könne leicht nachrechnen, dass es keine Vorsorgeform gäbe, die sich vor allem für Geringverdiener und Familien besser für eine lebenslange Vorsorge eigne. Daher forderte Hoenen die Politik auf, die Rente attraktiver zu gestalten und die staatliche Förderung zu erhöhen.

(usk)
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