Köln: Lanxess überrascht mit Verlust – nun droht Dax-Abstieg

Köln : Lanxess überrascht mit Verlust – nun droht Dax-Abstieg

Der Konzern macht eine Sonderabschreibung – peinlich für den scheidenden Chef Axel Heitmann. Die Dividende wird halbiert.

Der Chemiekonzern hat Anleger und Mitarbeiter gestern mit einer hohen Abschreibung geschockt: Lanxess muss im vierten Quartal überraschend 257 Millionen Euro außerplanmäßig abschreiben. Grund seien die Überkapazitäten sowie die hohen Rohstoff- und Energiekosten, teilte Lanxess mit. Das drückt den Kölner Konzern tief in die roten Zahlen: Für 2013 erwartet er nun einen Verlust von 159 Millionen Euro, nachdem er im Vorjahr noch einen Überschuss von einer halben Milliarde Euro erzielt hatte.

Die Folgen bekommen auch die Aktionäre zu spüren: Ihnen kürzt der Vorstand die Dividende um die Hälfte auf 50 Cent je Aktie. Entsprechend fiel die Reaktion der Börse aus: Die Lanxess-Aktie brach um zeitweise sechs Prozent ein. Damit war sie Verlierer im Dax. Mehr noch: Mit den trüben Aussichten steigt auch die Gefahr, dass Lanxess bald wieder aus der ersten Börsenliga absteigt und Köln erneut ohne Dax-Konzern dasteht.

Schon im Januar lag Lanxess nach eigenen Angaben bei der Marktkapitalisierung nur noch auf Platz 36 der börsennotierten Unternehmen. Das ist auf Dauer zu wenig für den Verbleib im Club der 30 größten Unternehmen. Beim Handelsvolumen immerhin, dem zweiten Dax-Kriterium, lag Lanxess noch auf Platz 23. "Wir sind stolz, im Dax zu sein. Aber die Zugehörigkeit war nie unser Unternehmensziel", sagte der Lanxess-Sprecher. Womöglich steigen nun die Chancen der Metro, in den Dax zurückzukehren. Über die Zusammensetzung des Index entscheidet regelmäßig der Börsenrat.

Mit dem jüngsten Absturz endet vorläufig eine Erfolgsgeschichte: Lanxess war im Jahr 2004 als Chemiesparte von Bayer abgespalten worden. Der langjährige Chef Axel Heitmann machte aus der als "Bayers Resterampe" geschmähten Tochter ein dynamisches Unternehmen. Nur expandierte er nach Ansicht des Aufsichtsrates zu schnell und richtete den Konzern zu einseitig auf die Autoindustrie aus. Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk für die Auto- und Reifenindustrie, mit dem er 40 Prozent seines Umsatzes macht. Entsprechend stark leidet der Konzern unter der Autokrise und dem weltweiten Wettbewerb.

Vor wenigen Wochen drängte der Aufsichtsrat Heitmann zum Rücktritt am 28. Februar. Es ist gewiss kein Zufall, dass der Konzern dem scheidenden Chef nun hohe Abschreibungen in die Schuhe schiebt, damit der Nachfolger durchstarten kann. Im Mai übernimmt der frühere Finanzchef Matthias Zachert das Ruder in Köln. Den Sparkurs dürfte der Zahlen-Freak weiter verschärfen. Lanxess will, wie angekündigt, bis Ende 2015 weltweit 1000 der 17 500 Stellen abbauen (300 davon in Deutschland). Gut 700 Stellen seien unter Dach und Dach, so der Sprecher. "Für Spekulationen um eine Verschärfung des Abbauprogramms ist es aber noch zu früh."

(RP)
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