Düsseldorf: Lanxess interessiert an weiterem Zukauf

Düsseldorf: Lanxess interessiert an weiterem Zukauf

Der Spezialchemiekonzern will offenbar für Teile der Akzo-Nobel-Chemiesparte bieten.

Acht Monate nach dem 2,4-Milliarden-Euro-Zukauf des US-Flammschutzspezialisten Chemtura eröffnet sich dem deutschen Spezialchemiekonzern Lanxess eine weitere Möglichkeit zur Expansion. Die Kölner wollen offenbar mit dem US-Finanzinvestor Apollo für die Chemiesparte der niederländischen Akzo Nobel bieten. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmens- und Finanzkreise. Demnach haben Lanxess und Apollo in einer Bieterrunde, die heute endet, ein Angebot abgegeben. Weder das Unternehmen noch der Finanzinvestor wollten dies kommentieren.

Zwar steckt Lanxess noch mitten in der Integration des im vergangenen April übernommenen Chemtura-Geschäftes, doch die Aussicht, an bestimmte Teile des attraktiven Akzo-Nobel-Paketes zu kommen, ließ Konzernchef Matthias Zachert wohl wieder in die Offensive gehen. Zachert will mit dem Chemie-Spezialisten durchstarten, das vergangene dritte Quartal war mit einem um 35 Prozent gestiegenen bereinigten Gewinn von 347 Millionen Euro das stärkste der Konzerngeschichte. Die Gewinnmarge kletterte auf 14,4 Prozent. Für das Gesamtjahr peilt Lanxess ein Rekordergebnis von bis zu 1,3 Milliarden an. Doch das soll noch nicht das Ende der Entwicklung sein. Wie groß jedoch die Chancen im Bieter-Wettstreit um die Chemiesparte der Akzo Nobel sind, ist auch für Experten noch schwer abzusehen.

"Strategisch kann ich diesen Schritt nachvollziehen. Als wohl einziges Konsortium mit einem Industriepartner gäbe es Möglichkeiten für Synergien. Doch finanziell wäre das schon erheblich, und es besteht das Risiko, in einen Bieterprozess mit mehreren Parteien zu geraten, der das Ganze nicht billiger machen wird", sagt Commerzbank-Analyst Michael Schäfer. Und das Akzo-Nobel-Paket hat seinen Preis, die Niederländer selbst bemessen den Wert auf acht bis zwölf Milliarden Euro. Als ein realistischer Verkaufspreis werden zehn Milliarden geschätzt.

Das ist für Lanxess alleine nicht zu stemmen. Allerdings sind für den Konzern auch nur Teile der Akzo-Chemie interessant, etwa Surface Chemistry, die oberflächenaktive Substanzen für Pflanzenschutzmittel, Kosmetika und Wasserbehandlung produziert. Attraktiv wäre zudem die Polymer-Chemie, die unter anderem Zusätze für die Verbesserung von Kunststoffen herstellt. Dieses sogenannte Additivgeschäft gewinnt bei Lanxess insgesamt an Bedeutung. Wie sich der Stellenwert des deutschen Unternehmens bei einem erfolgreichen Abschluss mit Akzo Nobel verändern würde, hängt für Analyst Schäfer aber von der Größe des Geschäfts ab: "Doch selbst wenn wir von 50 Prozent des gesamten Volumens ausgehen, wäre das für Lanxess schon eine sehr große Transaktion."

Mit Apollo hat Lanxess jedoch einen finanzkräftigen Partner an der Seite. Zudem hat der Investor mit Engagements in der Chemie gute Erfahrungen gemacht. Als größter Erfolg gilt der Erwerb eines Pakets am Basischemiekonzern Lyondell Basell im Jahr 2010, das später erfolgreich weiterverkauft wurde. Nun scheint sich Apollo mit Lanxess um ein besonders attraktives Angebot zu bemühen: Bei einem Umsatz von 4,8 Milliarden Euro kam die Sparte von Akzo Nobel 2016 auf ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 953 Millionen - eine Marge von 20 Prozent.

Trotzdem wollen die Niederländer die Sparte im April 2018 abspalten und sich auf das Geschäft mit Farben und Lacken konzentrieren. "Ihre Verkaufsankündigung ist nicht neu und zeigt, dass uns in der Chemiebranche die Themen Konsolidierung und Transaktionen im Unternehmensbereich auch 2018 beschäftigen werden", sagt Schäfer.

(togr)