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Düsseldorf: Lanxess-Chef beschleunigt Sparprogramm

Düsseldorf : Lanxess-Chef beschleunigt Sparprogramm

Krisenstimmung: Der Vorstand muss den Dax-Konzerns neu ausrichten. Vor allem für die Kautschuk-Sparte wird eine Lösung gesucht. Davon könnten 1500 Arbeitsplätze in Dormagen und Leverkusen betroffen sein.

Matthias Zachert macht ernst. An seinem 83. Arbeitstag als neuer Lanxess-Chef rief der 46-Jährige gestern den vierköpfigen Vorstand des angeschlagenen Chemiekonzerns in der Kölner Zentrale zusammen. "Wir müssen uns neu ausrichten und wiederbeleben" - das hatte er schon im Mai beklagt und öffentlich ein "Tal der Tränen" angekündigt. Gestern stellte er dem Vorstand in einem Konferenzraum mit weitem Blick über die Kölner Bucht die Eckpunkte seines Sanierungskonzeptes vor. Widerspruch soll es keinen gegeben haben.

Zu Einzelheiten will Lanxess erst im Verlauf der zweiten Jahreshälfte Stellung nehmen. Am 6. August legt der Konzern neue Quartalszahlen vor. Nach Informationen unserer Zeitung will Zachert nun zügiger als gedacht sparen und vor allem schon binnen der nächsten sechs Monate einen neuen Partner für die Kautschuksparte finden. Bislang wollte er der Suche noch bis zu zwölf Monate Zeit geben. Davon sind potenziell 440 Mitarbeiter in der Polymer-Produktion des Dormagener Lanxess-Werkes und ein Drittel der 3400 Mitarbeiter im Leverkusener Werk betroffen.

Denn den Kampf gegen die einseitige Abhängigkeit vom Kautschukgeschäft rückte Zachert gestern bei der Vorstandssitzung dem Vernehmen nach ganz oben auf die Prioritätenliste seines Sanierungsplanes: Das Vorprodukt für Autoreifen steht aktuell für 40 Prozent des Konzernumsatzes und sollte laut früheren Planungen für 60 Prozent der Gewinne sorgen. Da Zacherts Vorgänger Axel Heitmann aber noch riesige Kautschuk-Kapazitäten in Fernost aufbauen ließ, als der Markt längst unter 20 Prozent Überkapazitäten litt, muss die Sparte inzwischen gegen einen dramatischen Preisverfall ankämpfen. Unter dem Strich des vergangenen Jahres stand bei Lanxess auch deshalb ein Minus von 160 Millionen Euro.

Manche Beobachter vergleichen die neuen Kautschuk-Werke von Lanxess in Fernost sogar mit dem brasilianischen Stahlwerk von ThyssenKrupp: Auch die Essener bauten das Werk 2010 mitten in eine Stahlkrise hinein und rasselten so in eine Existenzkrise. Bei ThyssenKrupp kamen anders als bei Lanxess allerdings noch fatale Baufehler bei der Errichtung des Werkes hinzu.

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Wenn Lanxess sein Kautschuk-Problem nicht über einen Verkauf oder eine neue Partnerschaft lösen kann, behält Zachert sich früheren Angaben zufolge auch endgültige oder vorübergehende Werksschließungen an seinen weltweit 16 Polymer-Standorten vor. Den größten Teil seines Kautschuks produziert der Dax-Konzern in Latein- und Nordamerika.

Unabhängig davon will Zachert auch in der Konzernverwaltung Stellen streichen. Über den Umfang ist nichts bekannt. In der Kölner Zentrale arbeiten 1000 Mitarbeiter, im Dormagener Werk sind rund 40 Mitarbeiter mit Verwaltungsaufgaben betraut, in Krefeld-Uerdingen rund 150 und in Leverkusen 800. Das Rechenzentrum von Lanxess, das andere Konzerne in ähnlichen Situationen ins Ausland verlagert haben, steht in Langenfeld und beschäftigt weitere 134 Mitarbeiter.

"Zu den geplanten Maßnahmen werden nun mit dem Aufsichtsrat und den Arbeitnehmervertretungen Gespräche geführt", teilte Lanxess gestern mit. Nach Angaben aus Betriebsratskreisen hat Zachert schon im April zehn Arbeitsgruppen eingesetzt, die in Begleitung der Unternehmensberatung Boston Consulting Pläne für die Neuausrichtung schmieden. Der Betriebsrat ist daran beteiligt.

(RP)