Düsseldorf: Krisenherde bremsen deutsches Wachstum

Düsseldorf : Krisenherde bremsen deutsches Wachstum

Angesichts der Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten will auch das DIW seine Konjunkturprognose anpassen.

Während die EU in der Ukraine-Krise die Sanktionsschraube gegenüber Russland immer stärker anzieht, wachsen hierzulande Befürchtungen vor den wirtschaftlichen Folgen. So hatte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn eine deutliche Absenkung der Konjunkturprognose für dieses und das kommende Jahr in Aussicht gestellt. Gestern kündigte auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) an, seine Wachstumsprognose im demnächst anstehenden Herbstgutachten für 2014 und 2015 jeweils um ein bis zwei Zehntel nach unten zu korrigieren. Für 2014 hatte das DIW ein Wachstum von 1,8 Prozent, für 2015 von 2,0 Prozent erwartet. "Es wird ein bisschen etwas verloren gehen", sagte Ferdinand Fichtner, Leiter der DIW-Abteilung Konjunkturpolitik. "Aber wir sehen noch keiner Rezession ins Auge."

Sanktionen gegen Russland würden deutsche Exporte nicht großartig belasten, dafür sei Russland als "Handelspartner zu klein". Ein mögliches Risiko bleibt der Ölpreis. "Trotz der Krise in Gaza ist der Preis bisher erstaunlich robust. Aber er könnte steigen, wenn die Krise sich ausweitet", so Fichtner. Stabilisator der deutschen Konjunktur bleibt nach Fichtners Ansicht die private Konsumnachfrage: "Bei Haushalten und auch bei Unternehmen ist die Nervosität noch nicht so groß."

Axel Lindner, stellvertretender Leiter der Forschungsabteilung Makroökonomik am Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, erklärte, eine Eintrübung der Konjunktur sei bereits seit mehreren Monaten feststellbar. "Natürlich stellt die geopolitische Lage in der Ukraine eine Belastung für die Exportwirtschaft dar. Diese aber allein für die Abschwächung verantwortlich zu machen, greift zu kurz. Deutlich mehr Einfluss auf den Rückgang etwa bei den Auftragseingängen hat die Schwäche der konjunkturellen Erholung im Euroraum." Eine Prognose will das IWH Mitte September abgeben. Inwieweit sich diese von der bisherigen Prognose für 2014 (2,0 Prozent) unterscheiden wird, ließ Lindner offen.

Rolf Kroker, Konjunkturexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, erklärte: "Wir waren mit unserer Prognose von 1,75 Prozent für das laufende Jahr und 2,0 Prozent für das kommende ohnehin recht vorsichtig und sehen trotz der angespannten geopolitischen Lage keinen Revisionsbedarf." Solange es die Spannungen gebe - Kroker nennt neben der Ukraine und Gaza auch einen Staatsbankrott Argentiniens - bleibe die Investitionsbereitschaft der Unternehmen hierzulande zwar gedämpft. "Wir gehen aber davon aus, dass sich die Konflikte im Laufe des Jahres klären und es dann wieder zu einer Belebung kommt." Hinzu kämen beruhigende Zeichen aus dem Euroraum - beispielsweise vonseiten der Schuldenländer Griechenland und Spanien. Aber auch er verweist auf die angespannte Lage in Frankreich: "Dort sehen wir derzeit den größten wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf, immerhin ist der Industrieanteil dort auf nur noch zehn Prozent gesunken. Es bedarf massiver Strukturreformen." Weitere Unsicherheiten gebe es aufgrund des Bankenstresstests der EZB: "Fällt der Test gut aus, könnte das zur Entspannung beitragen. Wackeln einige Banken, dann führt das jedoch zu mehr Unsicherheit", so Kroker.

(RP)