Kostenstudie: Pendler in Düsseldorf müssen scharf rechnen

Kosten-Studie: Wann lohnt sich Pendeln – und wann ein Umzug?

Günstigere Immobilienpreise locken viele Bürger ins Umland von Düsseldorf. Doch eine Studie zeigt: Die Kosten des Pendelns sind hoch.

Ist es schlau, als Berufstätiger in Düsseldorf eine Immobilie im Umland zu erwerben statt in der Stadt selbst? Ein Blick auf die reinen Kaufpreise scheint eine einfache Antwort zu geben: Eine 70-Quadratmeterwohnung kostet in der NRW-Landeshauptstadt im Schnitt mit 241.000 Euro knapp 100.000 Euro mehr als im Rhein-Kreis Neuss, 107.000 Euro mehr als im Kreis Mettmann mit dort im Schnitt 134.000 Euro sowie 136.000 Euro mehr als in Krefeld mit dem dortigen Preis von 105.000 Euro für eine solche Wohnung. „Der Kauf im Umland spart erst einmal viel Kapital“, sagt Dörte Nitt-Driesselmann vom Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI, „aber Käufer einer Immobilie müssen auch realistisch einschätzen, wie teuer sie ein Leben als Pendler auf lange Sicht kommen kann.“

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Für Düsseldorf und Umgebung haben das HWWI und die Postbank nun ausgerechnet, wann die Kosten des Pendelns dazu führen können, dass ein Umzug ins Umland ein Verlustgeschäft wird. Die Ergebnisse liegen unserer Redaktion vorab vor.

Danach können sich Einpendler aus dem nicht so weiten Neuss bei Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln 42 Jahre darüber freuen, dass sie insgesamt billiger leben als wenn sie in Düsseldorf gekauft hätten. Bei der teureren Fahrt per Auto endet dieser Vorteil laut Postbank und HWWI bereits nach 19,7 Jahren.

Wer nach Mülheim an der Ruhr zieht, kann dort zwar eine 70-Quadratmeter-Wohnung für nur 115.000 Euro kaufen, doch wegen 33 Kilometern Entfernung ist das beim Kauf gesparte Geld schnell wieder verloren: Nach nur zehn Jahren wäre es als Autofahrer billiger gewesen, sich eine Bleibe in Düsseldorf angeschafft zu haben. Etwas mehr als 20 Jahre brauchen dagegen Pendler mit Bus und Bahn, um den Kaufpreisvorteil von 126.000 Euro wieder zu „verfrühstücken“.

Woher kommen nun die hohen Kosten des Pendelns? Erstens sind selbst Dauerkarten für Bus und Bahn keineswegs billig. Zweitens kostet die Fahrt per Auto mehr als viele denken: Die Forscher halten einen Kilometerpreis von 30 Cent für realistisch, wenn man Versicherung, Reparaturen und Abschreibungen zum Spritpreis addiert und dann wiederum den Steuervorteil der Kilometerpauschale abzieht. Und drittens berücksichtigen die Experten, wie viel Zeit die Pendler für den Weg zur Arbeit und zurück brauchen. Dafür kalkulieren sie einen happigen Satz von 33,22 Euro in der Stunde. „Dies ist der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn in Düsseldorf“, sagt Nitt-Driesselmann. „Wer mehr verdient, könnte seine Pendelkosten also noch höher kalkulieren, wer weniger verdient, den kostet die Pendelei rein kalkulatorisch weniger.“ Eine andere Rechnung würde derjenige machen, der gerne Auto fährt.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus diesen Zahlen schließen? Die Forscher empfehlen, dass Käufer einer Immobilie alle Vor- und Nachteile eines Objektes nüchtern durchdenken. So sollten Paare beachten, dass sie nach einem Umzug ins Umland möglicherweise sogar beide pendeln müssen – was die Belastung weiter erhöht. Wer möglicherweise bald den Job wechselt, sollte mit dem Kauf eines Hauses vorsichtig sein: „ Die Immobilie muss zur persönlichen Lebensplanung passen“, sagt Matthias Weber, Regionalbereichsleiter der Postbank.

Bürger, die eine günstige Mietwohnung in der Stadt haben, sind möglicherweise klug, darin trotz wenig Platz wohnen zu bleiben, anstatt ins Umland nur wegen eines Gartens und etwas mehr Platz zu ziehen. Denn die Kosten des Pendelns sind hoch, die lange Abwesenheit von der Familie kann belastend sein. Außerdem muss die Lage von möglichen Kaufobjekten genau analysiert werden. „Wenn von einer Wohnung aus viele Staus auf der Fahrt zur Arbeit zu erwarten sind, ist sie eine weniger gute Investition, als wenn die S-Bahn die Strecke bequem erschließt“, sagt Nitt-Driesselmann.