Konzerne werben um Top-Frauen

Konzerne werben um Top-Frauen

Das Ziel der Telekom, mehr Frauen an die Spitze zu holen, führt nun zum Parteienstreit um eine Stellenbesetzung. Insgesamt zeigt sich, dass Unternehmen immer stärker um Spitzenfrauen ringen – Quereinsteigerinnen haben beste Chancen. Es geht um Millionen-Gehälter.

Bonn/Berlin Als Telekom-Chef René Oberman vor einem Jahr ankündigte, auf Dauer Führungspositionen zu mindestens 40 Prozent weiblich zu besetzen, ahnte er nicht, wie viel Ärger dies provozieren wird. Peinlich war die Hauptversammlung im Mai: Keine einzige Frau wurde in den Aufsichtsrat benannt – es gab massive Kritik. Nun wählte der Aufsichtsrat zwei Frauen neu in den Vorstand – und es gibt wieder Streit: Reibungslos lief zwar die Wahl der McKinsey-Beraterin Claudia Nemat zur Europa-Chefin, doch die schnelle Ernennung der CDU-Politikerin Marion Schick zum Personalvorstand provoziert den Eklat mit den Arbeitnehmern.

Und der größte Ärger steht noch bevor: Nachdem sich rumsprach, dass die FDP-Staatssekretärin Birgit Grundmann beste Chance hat, Vorstand für Recht und Datenschutz zu werden, will nun die SPD den Posten lieber mit einer ihrer Parteifreundinnen besetzen. "Es kann nicht sein", sagt ein führender Genosse, "dass die jetzige Regierung sich zwei der am besten bezahlten Jobs in der vom Staat mitkontrollierten Telekom holt."

Frauen und Politikerinnen wollen die Top-Jobs – und gleichzeitig suchen die Konzerne mehr Spitzenfrauen als jemals zuvor. "Wenn eine herausgehobene Position zu besetzen ist, will man häufig eine Frau in der Vorschlagsliste haben", berichtet Jörg Will, Chef der Kölner Personalberatung IFP. Und weil Frauen seit vielen Jahren in der Politik viel besser vertreten sind als in den Führungspositionen der Wirtschaft liegen Quereinsteigerinnen im Trend. "Gerade bei Positionen, die eine gewisse inhaltliche Nähe zur Politik haben", sagt Will, "kann das schon gut passen."

Zwei Beispiele sind Eon-Personalvorstand Regine Stachelhaus und ihr Pendant von Siemens. Stachelhaus hatte sich zwar viele Jahre lang als Marketing-Chefin von Hewlett-Packard bewährt, doch wirklich bekanntwurde sie erst in ihrer Position als Geschäftsführerin von Unicef Deutschland seit 2009 – faktisch ein politischer Job. Und Brigitte Ederer war erst sozialdemokratische Spitzenpolitikerin in Österreich, bevor Siemens sie zuerst zur dortigen Landeschefin machte und vor einem Jahr in den Vorstand holte. Auch Christine Hohmann-Dennhardt hat eine politische Vergangenheit: Als SPD-Politikerin war sie hessische Justizministerin und Ministerin für Wissenschaft und Kunst, bevor sie 1999 zur Richterin des Bundesverfassungsgerichts ernannt wurde. In diesem Jahr legte sie ihr Amt nieder und wechselte in den Vorstand des Autobauers Daimler.

Top-Frauen sind begehrt. Marget Suckale musste zwar bei der Deutschen Bahn als Personalchefin wegen des Datenskandals gehen – jetzt hat sie bei BASF aber den gleichen Job für viel mehr Geld. Gunda Röstel trat 2000 als Grünen-Chefin zurück – prompt warb sie Eon ab. Sie ist mittlerweile Geschäftsführerin der Stadtwässerung Dresden. Alte Parteifreundschaften schaden da nicht: Unter Grün-Rot in Stuttgart wurde sie in den Aufsichtsrat des Staatskonzerns EnBW gesandt.

Ansonsten ergattern Frauen aktuell noch sehr häufig gerade Positionen rund um Personal, Marketing und auch Rechtsfragen – weil sie sich in ähnlichen Jobs behauptet haben. So die Juristin Angelika Dammann und Barbara Kux, die beide nun in ähnlichen Jobs arbeiten wie zuvor.

Das Europa-Parlament hat sich unterdessen mit großer Mehrheit für eine mögliche Frauenquote ausgesprochen. Die Parlamentarier riefen die Kommission auf, bis 2012 entsprechende Gesetzentwürfe inklusive Quoten zu entwickeln.

(RP)
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