Berlin: Konzerne: Im Winter droht Blackout

Berlin : Konzerne: Im Winter droht Blackout

Die Stromnetzbetreiber in Deutschland warnen vor einem Blackout im nächsten Winter. Wenn die im Zuge des Atom-Moratoriums stillgelegten Alt-Meiler weiter vom Netz blieben, fehlten an kalten Wintertagen in Süddeutschland etwa 2000 Megawatt-Leistung, schlagen die Netzbetreiber in einer gemeinsamen Erklärung Alarm. "Eine eigenständige Versorgung der Kunden ist dann ernsthaft gefährdet", schreiben die Netzbetreiber. Das sind die RWE-Tochter-Amprion, die niederländische Tennet, die das Höchstspannungsnetz von Eon übernommen hat, EnBW und 50hertz (Vattenfall).

Ein Import aus Nachbarländern könne keinen verlässlichen Ausgleich mehr schaffen, wenn die Leistung in Höhe von zwei AKW-Blöcken im Süden nicht zusätzlich ans Netz komme, heißt es in dem Brief. Alternativ käme als letzte Möglichkeit nur eine "Abschaltung von Kunden" in Betracht. "Die damit verbundenen Risiken für die Systemsicherheit sind aus aktueller Sicht der Übertragungsnetzbetreiber nicht vertretbar." Das Papier war vor wenigen Tagen bei einem Krisentreffen im Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt worden. Die Analyse basiert auf der Abschaltung von 8000 Megawatt Leistung. Das entspricht der Leistung der sieben Meiler, die die Bundesregierung im März per Moratorium bis Juni stillgelegt hat. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat bereits angedeutet, dass diese Meiler nicht wieder ans Netz gehen könnten.

Wegen Wartungsarbeiten sind zur Zeit nur vier Meiler am Netz. Diese Lage wird als kritisch, aber noch beherrschbar eingestuft, da im Sommer weniger Strom verbraucht, mehr Sonnenstrom erzeugt und zugleich Energie importiert wird. Gleichwohl kam es in Baden-Baden gestern morgen für mehr als eine Stunde zu einem Stromausfall. Tausende Haushalten waren betroffen. Die Ursache war zunächst noch unklar.

Unterdessen hat sich der CSU-Vorstand nach langem Ringen am späten Freitagabend auf ein Energiekonzept geeinigt. Bei einer Sitzung im Kloster Andechs beschloss der Vorstand bei sechs Enthaltungen, dass Bayern bis spätestens 2022 aus der Atomkraft aussteigt. Lange Zeit war die CSU ein starker Befürworter der Atomkraft. Der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber hatte seine Partei vor kurzem gewarnt, die Wähler wollten "keine grün lackierte CSU".

Merkel, die als Gast in Andechs war, begrüßte das CSU-Konzept als einen "wesentlichen Beitrag" für die weitere Diskussion über die Energiewende. Die CDU-Vorsitzende legte sich allerdings nicht darauf fest, dass auch ihre Partei einen Atomausstieg bis spätestens 2022 anstreben wird. Sie wolle zunächst das Ergebnis der von ihr eingesetzten Ethikkommission abwarten.

(RP)
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