Düsseldorf: Kontrolleure sollen besser werden

Düsseldorf: Kontrolleure sollen besser werden

Deutscher Aufsichtsratstag übt Kritik an Führung von Staatsunternehmen

Die Corporate Governance Kommission übt scharfe Kritik an der mangelnden Transparenz von Staatsunternehmen. "Börsenkonzerne müssen die Einkünfte ihres Spitzenpersonals detailliert veröffentlichen", sagte Klaus-Peter Müller, "bei der ARD wird das Einkommen der Top-Moderatoren aber bis heute als Geiheimsache eingestuft." Müller war bis 2008 Chef der Commerzbank und ist inzwischen Chef der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance).

Die Kommission veröffentlicht einen laufend aktualisierten Leitfaden für ethische und transparente Unternehmensführung, den in Deutschland inzwischen fast alle großen Unternehmen akzeptiert haben – auch, um gesetzlichen Vorgaben vorzubeugen. Wie Müller gestern beim Deutschen Aufsichtsratstag (DART) im Düsseldorfer Industrieclub sagte, gibt es einen solchen Kodex seit 2009 auch für Staatsfirmen. "Bis auf vier Bundesländer und ganz wenige Städte hat sich dem aber niemand angeschlossen", sagte Müller gestern, "es kann doch nicht wahr sein, dass der Staat der Privatwirtschaft einen Verhaltenskodex auferlegt, sich aber selbst an keinen halten will."

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Für die Privatwirtschaft forderte Müller gestern eine bessere und systematischere Qualifikation der Aufsichtsräte. "Heute werden an Aufsichtsräte deutlich höhere Ansprüche als früher gestellt", so Müller.

So beschränkte der Auftrag sich früher auf die reine Kontrolle, inzwischen gehöre aber auch die Beratung des Vorstandes dazu. Mit dem Ergebnis, dass der Arbeitsaufwand der Aufsichtsräte – auch für den Fortbildungsbedarf – deutlich gestiegen sei. Deshalb will die Corporate-Governance-Kommission die Anzahl der Aufsichtsratsmandate auf maximal drei pro Person beschränken.

(tor)
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