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Düsseldorf: Kommunen rechnen mit massiven Kita-Streiks

Düsseldorf : Kommunen rechnen mit massiven Kita-Streiks

Verdi fordert eine höhere Eingruppierung für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst.

Eltern, die ihr Kind in einer städtischen Kita betreuen lassen, stehen Anfang des kommenden Jahres ungemütliche Zeiten bevor. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Eingruppierungstarifverträge für den Sozial- und Erziehungsdienst zum Jahresende gekündigt. Verdi-Chef Frank Bsirske hat bereits signalisiert, dass "es ohne Streiks" kaum Ergebnisse geben werde.

Auch im Lager der Arbeitgeber rechnet man inzwischen fest mit Streiks der Kita-Erzieherinnen. "Arbeitskämpfe sind das wohlfeilste Mittel für die Gewerkschaften, um Mitglieder zu werben", sagte der Vorsitzende der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Thomas Böhle, unserer Zeitung. Schon 2009 habe es sehr massive Arbeitskämpfe im Sozial- und Erziehungsdienst gegeben. In der Spitze seien in einigen Regionen bis zu 19 Tagen die Kitas geschlossen geblieben. "So etwas möchte Verdi anscheinend den Eltern im kommenden Jahr wieder zumuten", so Böhle. "Im Sozialbereich sind die Arbeitgeber lange nicht so angreifbar wie im Erziehungsbereich. Dort lag auch 2009 die Speerspitze. Das wird diesmal nicht anders sein."

Während Verdi die Forderung nach einer höheren Eingruppierung mit einem Nachholbedarf des Personals begründet, sieht der Arbeitgebervertreter keinen Handlungsbedarf: "Die Zuwächse, die es seit 2009 im Sozial- und Erziehungsdienst gab, bewegen sich zwischen 20 und 30 Prozent. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass in den übrigen Bereichen die Zuwächse bei zwölf Prozent lagen." Die von den Gewerkschaften immer wieder beklagte Geringschätzung der Erzieherinnen gebe es nicht. Das Spektrum der Verdienste reiche heute von 2529 Euro bis 4637 Euro. "Das sind nennenswerte Beträge." Er warnte zudem vor einer finanziellen Überforderung der Kommunen: "Bei den kommunalen Arbeitgebern geht die Schere zwischen Arm und Reich extrem auseinander. Wir können uns nicht an den wohlhabenden Städten orientieren, sondern an denjenigen mit erheblichen Problemen - namentlich die im Osten, aber verstärkt auch in Rheinland-Pfalz, NRW, dem Saarland und Hessen." Sollten die finanziellen Belastungen durch die höhere Eingruppierung zu groß werden, könnten bestimmte Dienste nicht mehr angeboten werden. "Oder es kommt zu massiven Gebührensteigerungen", warnte Böhle.

Kritik kommt vonseiten der Gewerkschaft auch an dem nach ihrer Ansicht nach hohen Anteil von Teilzeitkräften im Erziehungsbereich. Die Teilzeitbeschäftigung erfolge oft nicht auf eigenen Wunsch.

"Es gibt unfreiwillige Teilzeit - aber in der Minderheit. Mehrheitlich sind das Wünsche der Beschäftigten", so Böhle. "Gerade Eltern sind an solchen Arbeitszeitmodellen sehr stark interessiert. Dem tragen wir als Arbeitgeber Rechnung."

(RP)