Kommentar zum Städteranking: Nicht einzig auf den Soli hoffen

Städteranking 2014 : NRW-Städte dürfen nicht einzig auf den Soli hoffen

Keine andere Region in Deutschland schneidet bei der Bewertung des Arbeitsmarktes, der Wirtschaftsstruktur, der Lebensqualität sowie des Immobilienmarktes so schlecht ab wie das Ruhrgebiet. Neun der zehn letzten Plätze im neuen Städteranking von Wirtschaftswoche und Immobilienscout24 werden von NRW-Kommunen belegt. Darunter sind Gelsenkirchen, Oberhausen, Duisburg, Dortmund und Wuppertal. Mag dies vielleicht angesichts des enormen Strukturwandels in der Region nicht überraschen, kann die Landesregierung die Entwicklung aber gar nicht ernst genug nehmen.

Und sie muss sich noch eine Hiobsbotschaft der neuen Studie zu Gemüte führen: Selbst die beiden Metropolen Düsseldorf und Köln drohen dauerhaft abzurutschen. Unter den 20 sich am dynamischsten entwickelnden Städten Deutschlands gibt es mit Aachen nur eine Stadt aus Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf verliert in dieser Liste drei Plätze und landet auf Rang 51 von 69 — also im hinteren Mittelfeld. Auch Köln stürzt um fünf Plätze auf Rang 40 ab.

Auffällig ist, dass sich im Ranking vor allem solche Städte behaupten konnten, die entweder eine starke (Auto-)Industrie oder Universitäts- und Forschungslandschaft vorweisen. In NRW aber droht das teils vorhandene wirtschaftliche und akademische Potenzial zunehmend zu verpuffen, folgt man der Analyse von Wirtschaftswoche und Immobilienscout24. Für die Landesregierung und die Kommunen kann das nur eines bedeuten: Sie müssen bei allen Sparzwängen intelligente und kreative Investitionslösungen finden, damit die einzelnen Revierstandorte sich von der Vergangenheit der Stahl- und Bergbauindustrie endlich erfolgreich abnabeln können.

Denn der demografische Wandel führt dazu, dass sich künftig nicht nur Unternehmen in Deutschland verstärkt um die besten Fachkräfte bemühen müssen, sondern auch die verschiedenen Regionen um gründungswillige Unternehmer. Lockt etwa eine Kommune wie Dortmund innovative Köpfe mit vielversprechenden Perspektiven und einer kreativen Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt, dürfte für ein junges Startup-Unternehmen nichts dagegensprechen, sich auch im Ruhrpott niederzulassen. Dann könnten günstige Steuern und ein insgesamt niedriger Mietspiegel sogar Wettbewerbsvorteile gegenüber jahrelang boomenden Städten im Süden der Republik sein.

Einen Fehler aber dürfen weder die Landesregierung noch die Kommunalfürsten in Nordrhein-Westfalen machen: Einzig darauf hoffen, dass ihnen künftig der Solidaritätszuschlag aus der Patsche helfen könnte. Denn ohne Eigeninitiative ginge selbst dann nichts. Und genug deutsche Kommunen haben bereits bewiesen, dass sie auch ohne fremde Finanzspritzen das Ruder herumreißen konnten.

(jd)