Kommentar zu knappen Medikamenten und der Pharmaindustrie

Kommentar zu knappen Medikamenten : Neue Regeln für globalisierte Pharmawelt

Der medizinische Fortschritt geht immer weiter, auch bei der Entwicklung von Medikamenten. Erkrankungen, die noch vor 30 Jahren zum raschen Tod führten, können heute gestoppt oder gar geheilt werden. Umso erstaunlicher ist es, dass auf der anderen Seite Medikamente immer öfter knapp werden.

Mal sind es Impfstoffe, mal spezielle Antibiotika und mal auch nur einfache Schmerzmittel. Und das nicht in einem Entwicklungsland mit rückständigem Gesundheitssystem, sondern in Deutschland.

Lebensgefährliche Versorgungsmängel sind aktuell nicht bekannt, dann müsste das Gesundheitsministerium mit Zwangsmaßnahmen eingreifen. Aber auch die hohe Zahl der Lieferengpässe ist ein Problem: Es darf nicht sein, dass man wochenlang auf ein alternatives Mittel mit starken Nebenwirkungen umsteigen oder aus eigener Tasche viel Geld zuzahlen muss. Krankenkassen, Apotheken und Pharmaindustrie schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Wer hat recht? Grundsätzlich ist es kein Problem, wenn Wirkstoffe wie Ibuprofen im Ausland produziert werden – so geht Globalisierung, und für den Arznei-Export nach Deutschland gelten klare Regeln. Ein Problem ist es aber, wenn es für die weltweite Produktion eines Wirkstoffes nur noch wenige Hersteller gibt. Abhängigkeit von Oligopolen ist nicht nur teuer, sondern auch gefährlich.

Verschärft wird die Lage durch Rabattverträge der Krankenkassen. Grundsätzlich sorgen sie für einen effizienten Umgang mit Beitragsmitteln. Doch wer wie etwa die AOK Verträge mit nur einem Hersteller schließt, begibt sich in eine gefährliche Abhängigkeit zu Lasten der Patienten. Lege nie alle Eier in einen Korb – das alte Sprichwort gilt auch in der globalisierten Pharmawelt.

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