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Kochbox-Lieferant Hellofresh muss auf Dax-Aufstieg wohl noch warten

Börsenindizes verändern sich : Hellofresh muss auf Dax-Aufstieg wohl noch warten

Am Mittwoch fällt die Entscheidung über die Zusammensetzung der deutschen Aktienindizes. Dem Düsseldorfer Handeskonzern Metro droht erneut ein Abstieg, diesmal der Rauswurf aus dem M-Dax.

Eigentlich könnte der Kochbox-Lieferant Hellofresh ab dem 22. März neues Mitglied im Deutschen Aktien-Index (Dax) werden. Zwei Voraussetzungen dafür erfüllt das Berliner Unternehmen aktuell – nämlich beim Börsenumsatz und bei der Marktkapitalisierung zu den Top 30 zu gehören. Damit würde es nach jetzigem Stand die Hamburger Beiersdorf AG aus der Bel­etage der deutschen Börse verdrängen.

Aber da ist ja noch die Sache mit der Profitabilität: Seit Dezember 2020 muss – ein Ergebnis der Turbulenzen um das skandalträchtige Ex-Dax-Mitglied Wirecard und der damit verbundenen Regeländerungen – ein Unternehmen beim Vorsteuergewinn (Ebitda) zwei Jahre in Folge schwarze Zahlen geschrieben haben, um in die oberste Börsenliga aufgenommen zu werden. Hellofresh hat das bisher nur einmal nachweisen können: für 2019. An diesem Dienstag wird der Kochbox-Versender vermutlich zum zweiten Mal einen entsprechenden Gewinn vorlegen (2019 waren es 46,5 Millionen Euro). Aber die Nachricht kommt dann zu spät, weil nur solche Daten relevant sind, die bis zum vergangenen Freitag dem Börsen-Finanzdienstleister Refinitiv vorgelegen haben. Und wäre das der Fall gewesen, hätte Hellofresh gleichzeitig eine Pflichtmitteilung an die Börse machen müssen. Das ist aber nicht passiert, und so darf Beiersdorf wohl bleiben. Aber selbst bei einem Abstieg könnten die Hanseaten im September wieder oben sein, weil dann das wichtigste Börsensegment von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird. Umgekehrt sinkt dann die Zahl der im M-Dax notierten Unternehmen von 60 auf 50.

Der Aufstieg von Hellofresh wird also wohl später stattfinden. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Experten gehen davon aus, dass sich die Dax-Aufnahme der Berliner nur um ein paar Monate verzögern wird. Entweder im Juni oder bei der nächsten reguären Überprüfung der Indizes im September könnte es soweit sein – zumindest, wenn es Hellofresh gelingt, die Entwicklung der vergangenen Jahre fortzuschreiben. Seit dem Börsenstart vor dreieinhalb Jahren hat sich der Aktienkurs mehr als versechsfacht. Binnen der vergangene zwölf Monate ist der Kurs um 166 Prozent gestiegen. Hellofresh ist eines der Unternehmen, die von der Corona-Krise profitiert haben. Denn die Menschen kochen in Zeiten, in denen ihnen der Zugang zu Restaurants verwehrt bleibt, mehr als vorher zu Hause. Hellofresh bietet dafür die entsprechenden Boxen an – Pakete mit Zutaten und einem Rezept, alles erhältlich im Abo.

Aber: Wo der Lockdown das Geschäft zusätzlich angeschoben hat, könnte das Ende der Zwangsschließungen umgekehrt dazu führen, dass die Menschen wieder in die Gaststätte gehen und zu Hause die Küche öfter kalt bleibt, als sie es derzeit ist. „Im Moment schwimmt Hellofresh auf der Corona-Welle, aber die Frequenz wird zurückgehen, wenn die Gastronomen wieder öffnen dürfen“, prophezeit Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Überdies kommt Hellofresh aktuell auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von mehr als 30. Zur Orientierung: Unter Fachleuten gilt eine Aktie mit einem KGV von unter zwölf als preiswert. Liegt das KGV über 20, erscheint das Papier teuer. Ein Schnäppchen ist die Hellofresh-Aktie also derzeit nicht.

Bei manchen Analysten herrscht dennoch Euphorie. Sie trauen der Aktie, deren Kurs am Montagnachmittag knapp unter 67 Euro lag, einen Preis von 75 bis 80 Euro zu, manche halten sogar Kurse um die 90 Euro für möglich. Das setzt aber voraus, dass das Unternehmen weiter wächst. Das dürfte im Ausland einfacher sein als auf dem deutschen Markt. Und so zeichnet sich nach Delivery Hero ein weiteres Dax-Unternehmen ab, das seine Gewinne vorrangig außerhalb Deutschlands erwirtschaftet. Das kann man kritisch sehen, es ist aber kein Auschlusskriterium.

Während der nach Höherem strebende Berliner Newcomer sich also wohl noch etwas gedulden muss mit dem schnellen Aufstieg, droht einem Arrivierten, der auch mal ganz oben war, bereits am Mittwoch sogar der Abstieg aus der Zweiten Liga: Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro gehört zu den Wackelkandidaten im M-Dax, dem zweitwichtigsten Börsensegment. Das Unternehmen will sich auf Anfrage nicht zu einem möglichen Abstieg äußern. Neben den Düsseldorfern sind augenscheinlich auch der Leuchtmittelanbieter Osram und die Aareal Bank vom Abtieg bedroht. Die Plätze des Trios könnten der Sportwagenhersteller Porsche sowie die Windkraft-Unternehmen Nordex und Encavis einnehmen.