Düsseldorf: Kita-Streik: Eltern müssen noch bangen

Düsseldorf: Kita-Streik: Eltern müssen noch bangen

Heute endet die Abstimmung der Erzieher. Das Ergebnis wird am Wochenende erwartet.

Für Eltern, deren Kinder in einer städtischen Kita betreut werden, dürften die kommenden Tage spannend werden. Heute endet die Verdi-Mitgliederbefragung zu dem Schlichtungsspruch für den Sozial- und Erziehungsdienst. Kommt es hart auf hart, sind Kita-Streiks ab Mitte August möglich.

Die Verdi-Forderung war von Anfang an ambitioniert. Mehr als zehn Prozent im Durchschnitt wollte die Gewerkschaft für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst aushandeln. Geschehen sollte dies durch eine höhere Eingruppierung der 240 000 Beschäftigten. Was folgte, war eine extrem hart geführte Tarifauseinandersetzung mit wochenlangen Streiks in Kitas und sozialen Einrichtungen. Erst Anfang Juni stimmten die Gewerkschaften einer Schlichtung zu. Die Politiker Georg Milbradt und Herbert Schmalstieg erreichten einen Kompromiss, der den meisten Beschäftigten Lohnsteigerungen zwischen zwei und 4,5 Prozent gebracht hätten. Sozialarbeiter wären aber leer ausgegangen. Während die Verdi-Führung den Vorschlag befürwortete, lehnten die Streikdelegierten ihn nach hitziger Diskussion ab.

Noch bis heute entscheiden deshalb die Mitglieder. Die Auszählung der Stimmen erfolge zentral, erklärte ein Sprecher von Verdi NRW. Ein Ergebnis wird voraussichtlich am Samstag vorliegen, wenn das bürokratische Gewerkschafts-Räderwerk Fahrt aufnimmt: Zunächst ist erneut eine Streikdelegierten-Konferenz anberaumt - also eben jenes Gremium, das gegen den Willen der Verdi-Spitze den Kompromiss ablehnte. Deren Beschlüsse berät am 11. August dann die Bundestarifkommission. Zwei Tage später sind neue Verhandlungen mit den Arbeitgebern angesetzt.

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"Es ist mit dem Vorschlag der Schlichter genau das eingetreten, was die Arbeitnehmer vermeiden wollten: eine Spaltung der Berufsgruppen", sagt Attila Gümüs, Vorstandsmitlgied des Landeselternbeirats NRW. "Unsere Vermutung ist jedoch, dass der Schlichterspruch für die Gewerkschaften zwar eine Kröte ist, sie diese aber wohl schlucken werden."

Gümüs geht davon aus, dass bei den angesetzten Verhandlungen unter anderem noch einmal über die Laufzeit gesprochen werde, also dass nicht erst nach fünf Jahren, sondern womöglich schon früher über eine neue Eingruppierung verhandelt wird. "Wir Eltern hätten es begrüßt, wenn sich beide Seiten zu einer langfristigeren Lösung bereit erklärt hätten", sagt der Elternvertreter. Natürlich gebe es die finanziellen Zwänge der Städte und Gemeinden, es sei aber möglich gewesen, eine echte Aufwertung über einen längeren Zeitraum hinzubekommen. "Dazu habe ich leider in den Verhandlungen nichts gehört. Zumal eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe ja erklärter politischer Wille ist, um auch langfristig genug Fachkräfte zu gewinnen", sagt Gümüs

Er warnt, sollte sich der Konflikt noch einmal zuspitzen, wäre das für die Eltern "extrem hart - vor allem, da das neue Kita-Jahr bereits begonnen hat und damit die Eingewöhnung der neuen Kinder ansteht".

(maxi)
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