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Kita-Streik: Darf das Kind mit ins Büro?

Streik : Rund 1000 Kitas bleiben in NRW ab Montag geschlossen

Wohin mit dem Kind? Welche Pflichten haben berufstätige Eltern? Bekommen sie das Geld für die fehlende Betreuung zurück?

Zum Bahn-Streik kommt nun der Ausstand in den kommunalen Kindertagesstätten hinzu. Nach fünf ergebnislosen Tarifgesprächen für die bundesweit 240 000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst kommt es ab Freitag zu unbefristeten Streiks, in NRW beginnen sie am Montag. Der Verdi-Landesbezirk erwartet, dass sich 10 000 Mitglieder beteiligen. "Keine Frage, das wird Eltern hart treffen", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. Wir erklären, was für Eltern jetzt wichtig ist:

Gibt es einen Anspruch auf eine Notfallbetreuung? Am sichersten ist es, sich mit Freunden, Nachbarn oder Verwandten kurzzuschließen und privat eine Betreuung auf die Beine zu stellen. Denn eine solche müssen die Kommunen nicht anbieten. Viele Städte wie Duisburg bemühen sich dennoch um Alternativangebote. Eine Sprecherin der Stadt erklärte, dass alle 79 kommunalen Kindertageseinrichtungen bestreikt würden. Alle nicht streikenden Erzieher in der Ruhrgebietsmetropole rief das Jugendamt in Abstimmung mit der Gewerkschaft Verdi dazu auf, sich für Notgruppen bis zum 22. Mai bereit zuhalten. Damit gibt es rund 650 Notplätze für berufstätige Eltern. Diese müssen aber einen Nachweis erbringen, dass eine andere Betreuung nicht möglich ist.

In Düsseldorf kann die Stadt dagegen keine klaren Aussage zu Notfallplätzen treffen, da nicht in Erfahrung gebracht werden konnte, wie viele der 101 kommunalen Kitas bestreikt würden, sagte ein Sprecher. Im Notfall sollen sich die Düsseldorfer an die Kinder-Betreuungsbörse i-Punkt Familie unter Tel. 0211 8998870 wenden, die dann Notplätze vermittelt. Wie viele Kapazitäten dort zur Verfügung stünden, könne erst nach Streikbeginn gesagt werden, so der Sprecher.

Auch die Stadt Krefeld hat bislang keinen Überblick über Dauer, Notfallbetreuung und Ausmaß des Streiks. In Neuss werden alle neun Kitas, die unter der Führung des kommunalen Lukaskrankenhauses stehen, bestreikt, wie eine Sprecherin mitteilte. Dort soll heute ein Notfallplan erarbeitet werden. In Leverkusen würden dagegen keine Kitas bestreikt, so eine Sprecherin.

Bekommen Eltern die Kita-Gebühr erstattet? Der Streik gilt als höhere Gewalt. Kommunen sind nicht dazu verpflichtet eine Ausfall-Gebühr zu erstatten. Aus Kulanz dürfen nur Städte mit guter Haushaltslage das Geld zurückzahlen. Im Regierungsbezirk Düsseldorf ist das, nach Angaben eines Sprechers der Bezirksregierung, bei keiner Stadt der Fall.

Darf der Arbeitnehmer fehlen, wenn die Kita des Kindes geschlossen ist? Nur wenn es keine andere Möglichkeit gibt, das Kind unterzubringen, und der Streik weniger als 24 Stunden vorher angekündigt wurde - dies ist im aktuellen Tarifkonflikt nicht der Fall.

Darf das Kind mit ins Büro? Rechtlich gesehen könnte der Arbeitgeber verbieten, den Nachwuchs mitzubringen. Als Alternative kann dem Chef angeboten werden, von Zuhause aus zu arbeiten. Geht das nicht, muss Urlaub genommen werden. Wichtig ist jedoch, dass Arbeitnehmer ihren Vorgesetzten frühzeitig über ein Fernbleiben informieren, ansonsten könnte eine Abmahnung drohen.

(RP)