Ergebnisse aus neuer Studie Warum immer weniger Menschen Priester werden

Düsseldorf · Eine Befragung unter jungen Priestern zeigt, dass viele den Zölibat als Hindernis betrachten. Aber auch andere Faktoren würden die Berufswahl erschweren. Wissenschaftler drängen aus mehreren Gründen auf eine Reform der Priesterausbildung.

Kardinal Reinhard Marx feiert eine Messe an Ostern. Insgesamt sinkt die Zahl der katholischen Priester in Deutschland rapide.

Kardinal Reinhard Marx feiert eine Messe an Ostern. Insgesamt sinkt die Zahl der katholischen Priester in Deutschland rapide.

Foto: dpa/Felix Hörhager

Immer weniger junge Menschen in Deutschland wollen Priester werden – und viele betrachten den Zölibat als Herausforderung für potenzielle Kandidaten. Mehr als 70 Prozent der jungen Priester stimmen der Aussage eher oder sogar vollkommen zu, dass das ehelose Leben für manche ein Grund zum Zögern ist. 6,5 Prozent der befragten Priester befolgten oder befolgen den Zölibat nach eigener Aussage selbst nicht, knapp 16 Prozent geben zudem an, in der Erfüllung nicht immer erfolgreich zu sein. Das geht aus einer neuen Studie des Zentrums für Angewandte Pastoralforschung (ZAB) der Ruhr-Universität Bochum hervor. Sie hat untersucht, was junge Priester dazu motiviert, ihren Beruf zu ergreifen. Dafür haben die Forscher knapp 850 Personen angefragt, die zwischen 2010 und 2021 geweiht wurden. Zurückgemeldet haben sich 153 Priester und zusätzlich 18 Personen, die das Priesterseminar vor der Weihe verlassen haben. In Auftrag gegeben hat die Untersuchung die Deutsche Bischofskonferenz (DBK).

Deutschlandweit sinkt die Zahl der Priesteramtskandidaten dabei rapide. 2022 wurden nach Angaben der DBK noch 33 Männer zu Priestern geweiht – ein Rückgang um fast 80 Prozent seit dem Jahr 2000. Knapp 300 Männer befänden sich derzeit in der Ausbildung im Priesterseminar, berichtet Michael Gerber, Bischof von Fulda und stellvertretender Vorsitzender der DBK. Zwar sei die Frage nach dem Zölibat eine, die ihn herausfordere und der sich die Bischöfe mit dem Papst stellen müssten. Zugleich macht Gerber deutlich, dass eine Abschaffung die grundsätzliche Situation nicht verändern werde. „Die Gleichung: Zölibat fällt, Priesterkandidaten steigen automatisch – die geht so nicht auf. Da sind noch mal andere Faktoren entscheidend“, sagt er.

Zu ihrer Motivation erklären knapp vier von fünf Befragten in der Untersuchung, sie fühlten sich in ihrer Entscheidung durch Gott geleitet. Ähnlich viele motiviert, die Botschaft des Evangeliums weiterzugeben. Für immerhin 13 Prozent ist auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes ein Grund für die Berufswahl. Neben dem Pflichtzölibat sehen mehr als 80 Prozent der jungen Priester das negative Kirchenimage zumindest tendenziell als Hindernis für Interessenten an. Auch die Krise durch den Missbrauch halten viele für ein Problem. Dagegen sieht nur eine Minderheit mangelnde Aufstiegschancen sowie eine schlechte Bezahlung kritisch. Auf politischer Ebene zeigt sich derweil eine große Verbundenheit mit der Union: 58 Prozent der befragten Priester würden ihr Kreuz bei CDU oder CSU machen – ungefähr doppelt so viele wie in der gesamten Bevölkerung.

Matthias Sellmann, Direktor des ZAB, sieht vor dem Hintergrund der Ergebnisse eine „starke Notwendigkeit“, die Priesterausbildung umzubauen. Der Beruf komme vor allem für Männer aus einem klassisch-katholischen, eher konservativen Milieu infrage – eine Gruppe, die in der Gesellschaft kleiner werde. Priester sähen sich überwiegend nicht als „gestalterische Führungskräfte“, und ihre Erwartungen zur Amtsausübung seien oft konträr zu denen der Gemeinde. So aber würden junge Leute „in das offene Messer normaler Gemeindesituationen in Deutschland laufen“, warnt er. Viele wollten Seelsorger sein, aber nicht Chef und schon gar nicht Manager, sagt Sellmann. Zugleich fremdelt eine Mehrheit der Befragten mit Reformen. Nur rund 30 Prozent geben an, die Kirche müsse in Zukunft demokratischer werden. Und nur etwas mehr als jeder Vierte findet, dass Frauen zum Priesteramt zugelassen werden müssten.

Bischof Gerber sagt, die Studie eröffne eine Debatte. Derzeit arbeite die Bischofskonferenz auch an einem neuen Konzept für die Priesterausbildung, das bald fertig werde.

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