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Berlin: Kassen bremsen bei Arzt-Honorare

Berlin : Kassen bremsen bei Arzt-Honorare

Morgen beginnen die Verhandlungen um die Honorare für 2015.

Die Krankenkassen haben verärgert auf den Vorstoß der Ärzte nach deutlich höheren Honoraren reagiert. "Es wäre erfreulich, wenn die Ärzteverbände das gleiche Engagement bei der Verringerung der Wartezeiten für die Patienten aufbringen würden, wie bei dem Bemühen, ihre eigenen Honorare weiter zu erhöhen", sagte ein Sprecher des Spitzenverbandes der Krankenkassen.

Die Ärzte sind der Auffassung, dass sie aktuell fünf Milliarden Euro zu wenig an Honoraren erhalten. Sie beklagen insbesondere die Kostendeckelung im Gesundheitswesen, wonach ihr Dienst am Patienten nicht mehr entlohnt wird, wenn der Honorartopf leer ist. Allein dadurch entgehen den Praxis-Ärzten nach Aussagen des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, jährlich 2,3 Milliarden Euro. Zudem fordern die Ärzte eine Honorarerhöhung, die ihre Einkommen auf das Niveau von Oberärzten in Kliniken anhebt. Die Honorarverhandlungen für 2015 sollen morgen beginnen. "Wir hoffen sehr auf eine rasche Einigung der Vertragspartner mit Augenmaß", sagte der Chef der Barmer/GEK, Christoph Straub, unserer Zeitung. Das Ergebnis solle "die sich deutlich verändernde Finanzsituation in der gesetzlichen Krankenversicherung berücksichtigen", betonte er mit Blick darauf, dass die Kassen künftig nicht mehr so prall gefüllt sein werden. Aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes müssen bei der Frage der Honorarerhöhungen für die Ärzte die "Entwicklung des Behandlungsbedarfs" und die "Praxiskosten im Zentrum" stehen.

Über die Einkünfte der Ärzte gab es in der Vergangenheit immer wieder Streit. Die Kassen sagen, dass ein niedergelassener Mediziner mit den Einnahmen aus gesetzlichen und privaten Versicherungen sowie durch Selbstzahler-Leistungen im Durchschnitt nach Abzug der Praxis-Kosten auf einen Jahres-Überschuss von 166 000 Euro komme. Dieser Wert wird von der Ärzteschaft nicht bestritten. Die KBV weist aber darauf hin, dass 60 000 Euro der Einnahmen nicht über die gesetzlichen Krankenkassen generiert würden und dass der Anteil ihrer Einnahmen durch Kassenpatienten stetig sinke.

(qua)