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Karstadt ringt jetzt mit Verdi

Warenhauskonzern : Karstadt ringt jetzt mit Verdi

Die rund 17. 000 Karstadt-Mitarbeiter müssen sich auf massive Einschnitte gefasst machen. Während das Management des Warenhauskonzerns ein drastisches Sparprogramm vorlegt, fordert die Gewerkschaft eine Rückkehr zur Tarifbindung. Am Freitag beginnen die Gespräche. Eigner René Benko hält sich noch zurück.

Nach der Überahme von Karstadt durch den schillernden österreichischen Immobilieninvestor René Benko steht der Warenhauskonzern vor entscheidenden Verhandlungen. In dieser Woche berät unter anderem der Wirtschaftsausschuss über die Umsetzung des Sanierungsprogramms. Zudem beginnen am Freitag Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi. Das berichtete die "WAZ". Die Arbeitnehmervertreter fordern, dass Karstadt in den Tarifvertrag zurückkehrt. Dass es allerdings schwierige Verhandlungen werden dürften, zeigen Details aus dem vorgelegten Sanierungsprogramm "Karstadt Fokus", aus dem die "Bild am Sonntag" zitierte.

Demnach drohten ohne Einsparungen bis 2016/17 Verluste in Höhe von 209 Millionen Euro. Liquide Mittel seien noch vorhanden, wären ohne jede Gegenmaßnahme aber ab März aufgebraucht. Das geht aus Unterlagen hervor, die Geschäftsführer Miguel Müllenbach an Führungskräfte geschickt hat. Nach Informationen unserer Zeitung will Müllenbach beim Personal 80 Millionen Euro einsparen. Das wären gut 2000 Stellen. Insgesamt beschäftigt Karstadt 17.000 Mitarbeiter. Wie aus dem Papier hervorgeht, betreffen diese Pläne einerseits das Verkaufspersonal in den 83 Filialen. Es soll weniger Kassen geben, Bereiche mit starker Selbstbedienung wie die Spielwarenabteilung könnten zeitweise ganz ohne Betreuung auskommen. Andererseits ist aber auch die Essener Zentrale betroffen, wo 20 Prozent der rund 1400 Stellen zur Disposition stehen.

Arno Peukes, Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat, kritisierte: "Die Grundfrage ist durch das Sanierungsprogramm nicht beantwortet. Es ist nicht klar, wie man Karstadt zu einem Warenhaus der Zukunft machen möchte. Ich sehe keine Möglichkeiten, wie man ein Warenhaus ohne Mitarbeiter betreiben will." Die veranschlagte Summe ließe sich auch an anderen Stellen einsparen. "In den bisherigen Strukturen und bei den Sachkosten wird viel zu viel Geld verbrannt." Peukes rechnet mit harten und langwierigen Verhandlungen ab Freitag.

Das Management wird wahrscheinlich weniger über eine Rückkehr in die Tarifbindung als vielmehr über einen Stellenabbau reden wollen. Davon hängt auch ab, für wie viele Filialen sich Karstadt Schließungen inklusive hoher Abfindungen überhaupt leisten kann, sagt Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein: "Deswegen ist damit zu rechnen, dass sich die Gewerkschaften nicht durch zu starke Zugeständnisse selbst bestrafen."

Was Karstadt-Eigner René Benko aber eigentlich plant, dazu wurde noch nichts bekannt. Wie unsere Zeitung aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, legten Vertreter von Benkos Signa-Holding bei der Sitzung in der vergangenen Woche eine Analyse zur Situation vor, die sich stark am Konkurrenten Kaufhof orientierte, der mit 20 Prozent weniger Personal deutlich mehr verdiene. Nach dieser Rechnung wären sogar 3500 Jobs in Gefahr. Der Auftritt sei zurückhaltend gewesen, habe aber noch keine Erkenntnisse gebracht. Dies könnte sich allerdings bald ändern. Denn Benko muss auch das Management neu besetzen, in dem Interims-Chef Müllenbach der letzte Verbliebene ist. In den kommenden vier bis fünf Wochen, spätestens aber zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 23. Oktober solle ein zweiter Geschäftsführer benannt sein, sagte ein Insider. Frühestens dann dürfte klar werden, welche Ideen Benko hat.

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Für Handelsexperte Heinemann wird es höchste Zeit: "Das Unternehmen schlittert von Tag zu Tag in eine immer akutere Krise." Bisher habe man weder eine wertschöpfendere Strategie entwickelt, noch über den bis zu 1,5 Milliarden Euro großen Investitionsbedarf gesprochen und auch kein Zukunftskonzept inklusive Durchdigitalisierung nach amerikanischem Vorbild angedacht. "Mit dem Konzept hat man nur die Blutzufuhr auf Basis des veralteten Geschäftsmodells kurz- bis mittelfristig gesichert."

(RP)