Essen: Karstadt-Finanzchef geht mit sofortiger Wirkung

Essen : Karstadt-Finanzchef geht mit sofortiger Wirkung

Auch zwei Jahre nach der Rettung durch den deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen kommt der Kaufhaus-Konzern Karstadt nicht zur Ruhe. Der bisherige Finanzvorstand Harald Fraszczak ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Noch in diesem Jahr wolle Karstadt einen Nachfolger präsentieren, heißt es.

In einer Mitteilung des Konzerns ist von einem Abschied "aus persönlichen Gründen" und einer Trennung "in freundschaftlichem Einvernehmen" die Rede. Allein diese Formulierung lässt indes den Schluss zu, dass es bei Fraszczaks Demission doch nicht ganz so freundschaftlich zugegangen ist. Nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens soll es deutliche Differenzen zwischen dem Finanzchef und dem Vorstandsvorsitzenden Andrew Jennings gegeben haben. Dabei sei es auch um die Fortschritte bei der Sanierung des Essener Warenhausunternehmens gegangen. Angeblich ging Jennings der erforderliche Personalabbau nicht zügig genug vonstatten. Dafür gibt es allerdings auch keine Bestätigung. Die von Karstadt angebotene Vorruhestandsregelung, die für Mitarbeiter ab dem 58. Lebensjahr gelten soll, wird angeblich gut angenommen.

Vor ein paar Monaten hatte Karstadt den Abbau von etwa 2000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2014 angekündigt. Der Stellenabbau sollte sozialverträglich erfolgen, Kündigungen sollten möglichst vermieden werden. "So schmerzhaft diese Maßnahmen für die betroffenen Mitarbeiter sind, so notwendig sind sie", hatte Jennings damals erklärt. Der neuerliche Sparkurs ist notwendig geworden, nachdem der 2009 geschlossene Sanierungstarifvertrag Ende August ausgelaufen ist. Das bedeutet, dass Karstadt zum Flächentarif zurückgekehrt ist, und dies kostet das Unternehmen nach früheren Angaben rund 50 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr – viel Ballast für die krisengeschüttelte Warenhausgruppe.

Karstadt war im Zuge der Insolvenz seines Mutterkonzerns Arcandor vor drei Jahren ebenfalls fast in die Pleite geschliddert. Am Ende überlebten die Essener nach einer monatelangen Übernahme-Diskussion (auch eine Zusammenlegung mit der Kölner Metro-Tochter Kaufhof war immer wieder ein Thema gewesen) dank der Übernahme durch Berggruen. Doch ist die seither erhoffte durchgreifende Erholung ausgeblieben. Unbestätigten Spekulationen zufolge liegt Karstadt im laufenden Jahr beim Umsatz unter Plan, was angesichts der Euro-und Schuldenkrise nicht verwunderlich wäre.

(RP)