Arbeitsrecht auf der Betriebsfeier Sieben Regeln, die an Karneval am Arbeitsplatz gelten

Düsseldorf · Das bunte Treiben findet bald seinen Höhepunkt. Doch was ist an Karneval am Arbeitsplatz und bei der Betriebsfeier erlaubt? Die Antworten im Überblick.

Manche kriegen an Rosenmontag frei, andere feiern Karneval in ihren Betrieben. Doch welche Regeln gelten?

Manche kriegen an Rosenmontag frei, andere feiern Karneval in ihren Betrieben. Doch welche Regeln gelten?

Foto: dpa/Henning Kaiser

Weiberfastnacht und Rosenmontag sind bekanntlich keine gesetzlichen Feiertage – auch nicht in Karnevals-Hochburgen. Wer feiern will, muss sich demnach in der Regel Urlaub nehmen. Manche Arbeitgeber ermöglichen ihren Mitarbeitern jedoch einen bezahlten freien Tag, andere organisieren eine betriebliche Karnevalsparty. Welche Regeln dann am Arbeitsplatz gelten.

Ungleichbehandlung nur in Ausnahmefällen

Grundsätzlich gelten die gleichen Regeln für alle: Nur weil manche Mitarbeiter länger im Unternehmen tätig sind, ist es dem Arbeitgeber nicht erlaubt, diese zu bevorzugen und ihnen einen bezahlten Urlaubstag zu gewähren. „Eine solche Differenzierung würde gegen den allgemeinen arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen“, teilt die Gewerkschaft Verdi auf Anfrage mit.

Liegt jedoch ein sachlicher Grund vor, ist eine Ungleichbehandlung gerechtfertigt, erklärt Torsten Thiel, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht in Düsseldorf. So könne etwa Verwaltungsmitarbeitern frei gegeben werden, auch wenn die Produktionsmitarbeiter arbeiten müssen, da die Maschinen zum Beispiel am Laufen bleiben müssen.

Besser keinen schlimmen Kater riskieren

In der Regel gilt: Wer krank ist, ist krank – auch, wenn am Tag zuvor zu viel Alkohol konsumiert wurde. Wenn die Symptome so stark sind, dass die Arbeit nicht möglich ist, ist man im Sinne des Gesetzes krank. Mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung können sich Arbeitnehmer absichern.

Beim maßlosen Trinken von Alkohol sollten Arbeitnehmer jedoch vorsichtig sein: „Die billigende Inkaufnahme eines Katers, der zu einem Arbeitsausfall am nächsten Tag führt, ist wohl eine Verletzung des Arbeitsvertrages“, meint der Duisburger Rechtsanwalt für Arbeitsrecht Jürgen Weber. Wenn der Vorgesetzte das nachweisen kann, darf er die Entgeltfortzahlung verweigern. Ein solches Verhalten des Arbeitnehmers reicht in der Regel jedoch nicht zur Begründung einer Kündigung aus, wenn dies das erste  Mal vorkommt.

Betriebliche Karnevalsparty nach der Arbeit ist kein Pflichttermin

Laden Arbeitgeber zur Karnevalsparty außerhalb der Arbeitszeit ein, sind Arbeitnehmer nicht verpflichtet, zu erscheinen. „Das Fernbleiben von Betriebsveranstaltungen außerhalb der Arbeitszeit ist keine Pflichtverletzung“, sagt Rechtsanwalt Joachim Schrader. Die Teilnahme kann laut dem Düsseldorfer Anwalt für Arbeitsrecht also nicht erzwungen werden.

Bei einer betrieblichen Karnevalsparty während der Arbeitszeit sieht das ganze jedoch anders aus. Denn in der Regel kann der Arbeitgeber im Rahmen der Arbeitszeit bestimmen, was zu tun ist – „Art und Umfang der Tätigkeit können grundsätzlich vom Arbeitgeber vorgegeben werden“, so Schrader. Jedoch geht das Direktionsrecht des Arbeitgebers nicht so weit, dass er das Feiern anordnen könnte, meint Verdi. Wer also nicht mitfeiern möchte, kann auch einfach seiner Arbeit nachgehen.

Unabhängig von juristischen Erwägungen ist es in der Regel schlau, auf Veranstaltungen wie Karnevalsfeiern oder Weihnachtspartys zu gehen, um innerhalb einer Firma oder Organisation Kontakte aufzubauen und zu pflegen. „Bei Karrieren geht es nie nur um rein fachliche Qualifikationen“, sagt die Kölner Unternehmensberaterin Rosel Bender, „wer Netzwerke aufbaut, kommt besser voran.“ Umgekehrt sollten Arbeitnehmer unbedingt vermeiden, auf solchen Feiern zu viel zu trinken. „Wenn sich jemand auf einer solchen Veranstaltung daneben benimmt, bleibt das im Gedächtnis vieler Kolleginnen und Kollegen lange haften und kann schlimme Folgen haben.“

Interne Regeln für Karneval besser vorab klären

Was gewünscht, erlaubt oder gar verboten ist, kann sich von Betrieb zu Betrieb unterscheiden. Der Arbeitgeber bestimmt demnach, ob beispielsweise Alkohol auf der Betriebsfeier erlaubt ist. Nachfragen lohnt sich daher.

Auch beim Abschneiden der Krawatte, einer Tradition an Weiberfastnacht, ist Vorsicht geboten. Für viele gehört es zu Karneval dazu, andere könnten mit Sachbeschädigung drohen.

Vorsicht bei Fotos

Laut Schrader fällt auch bei Betriebsfeiern das Fotografieren grundsätzlich in den Anwendungsbereich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Somit dürfen Bilder grundsätzlich nur mit Einwilligung der abgebildeten Personen verbreitet oder veröffentlicht werden. Die schriftliche Einwilligungserklärung sollte vor der Veröffentlichung eingeholt werden und sie muss aus freien Stücken unterzeichnet worden sein. Arbeitnehmer dürfen also nicht unter Druck gesetzt werden, dass ihnen beispielsweise bei Nicht-Unterzeichnung Konsequenzen drohen.

Wurden die Voraussetzungen eingehalten, dürfen Bilder auch im Netz landen. Wurden sie missachtet, kann eine Schadensersatzklage drohen.

Bei Rassismus oder Sexismus drohen Konsequenzen

Grenzen zu überschreiten ist ein Tabu auf der Arbeit. Wer Bützje verteilt, also jemandem auf die Wange küsst, sollte auf Einvernehmlichkeit achten und die Zustimmung klären. Rassistische Kostüme können zudem laut Schrader in den Bereich Mobbing und Diskriminierung fallen, was negative Folgen haben könne.

Insgesamt ist die Art der Konsequenzen „im Einzelfall zu prüfen“ und unter anderem davon abhängig, ob es im Vorfeld bereits entsprechende Vorkommnisse gab. Es können also Abmahnung drohen, bei sexuell übergriffigem Verhalten sogar die Kündigung.

Sich um Unterstützung bemühen, wenn die Kita geschlossen ist

Einige Kitas haben an Karneval geschlossen, was berufstätige Eltern vor die Frage stellt, wer ihr Kind betreut. Unter Umständen haben Arbeitnehmer in diesem Fall ein sogenanntes Leistungsverweigerungsrecht, meint Anwalt Torsten Thiel. Demnach muss zum einen die Notwendigkeit der Betreuung des Kindes bestehen, in etwa weil es noch sehr jung ist, und zum anderen muss eine anderweitige Form der Betreuung, beispielsweise durch Freunde oder Familie, nicht möglich sein. „Soweit Eltern also wissen, dass die Kita am Rosenmontag zu hat, ist zunächst nach einer anderweitigen Betreuung zu suchen. Nur wenn die nicht möglich ist, kommt ein Leistungsverweigerungsrecht in Betracht“, fasst Thiel zusammen. Laut der Gewerkschaft Verdi muss im Zweifel muss jedoch Urlaub genommen werden.

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