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Düsseldorf: Ja zum Kita-Kompromiss gilt als sicher

Düsseldorf : Ja zum Kita-Kompromiss gilt als sicher

Erfolg in der Verlängerung: Verdi und die kommunalen Arbeitgeber einigen sich auf höhere Löhne für Erzieherinnen und Sozialarbeiter. Nun muss die Basis abstimmen.

Eigentlich hatten sich die Verhandlungspartner im Sozial- und Erziehungsdienst nur bis Dienstag Zeit gegeben, um ein Ergebnis in dem Streit um höhere Löhne für Kita-Beschäftigte und Sozialarbeiter hinzubekommen. Doch dann merkten beide Seiten: Mit ein bisschen mehr gutem Willen und weiteren Gesprächen lässt sich der Tarifkonflikt endgültig ausräumen.

Gestern Mittag war es dann soweit. Erschöpfte Verhandler präsentierten der Öffentlichkeit ihr Ergebnis. Je nach Lesart erhalten die 240.000 Beschäftigten im Erziehungsdienst im Durchschnitt zwischen 3,3 und 3,7 Prozent mehr Gehalt. Verdi hatte ursprünglich zehn Prozent verlangt. Die höheren Gehälter sollen rückwirkend zum 1. Juli gezahlt werden. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren.

Damit geht einer der härtesten Tarifkonflikte des Jahres zu Ende. "Dank des Kompromisses haben eigentlich alle gewonnen", sagt Hagen Lesch, Tarifexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Es sei erfreulich, dass sich die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) bewegt und mit den neun Millionen Euro ein wenig draufgelegt habe. "Und es ist ausdrücklich zu loben, dass die Gewerkschaften sich mit diesem relativ kleinen Plus zufrieden geben. Allerdings muss man aus Sicht der Eltern sagen: Dieser Kompromiss auf Grundlage des Schlichterspruchs wäre auch schon im August möglich gewesen", so Lesch.

Nicht nachvollziehbar findet er, dass sich die Arbeitgeber so vehement dagegen wehren, bei anderen Arbeitgebern erworbene Berufserfahrung zu goutieren und die entsprechenden Berufsjahre der Erzieher verpflichtend anzuerkennen. Es sei zu hoffen, dass städtische Einrichtungen dies freiwillig tun.

Morgen treten zunächst die Streikdelegierten und die Bundestarifkommission zusammen, um über das Ergebnis zu beraten. Trotz der Abstriche rechnet Tarifexperte Lesch damit, dass der Kompromiss Akzeptanz finden wird. "Ich halte für unwahrscheinlich, dass die Tarifkommission ihrem gerade erst wiedergewählten Chef nicht folgt. Der wäre dann so beschädigt, dass sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Konstruktes Verdi stellen würde." Auch die benötigten 25 Prozent bei einer anschließenden Urabstimmung werde Bsirske zusammenbekommen, so Lesch.

Die Frage ist nun, ob Verdi ähnliche Sondertarifrunden bei anderen Berufsgruppen angeht. Die Gefahr besteht, hat Frank Bsirske doch zuletzt auf dem Bundeskongress eine Aufwertung für die Pflegeberufe gefordert. Allerdings steht dort weniger eine Lohnerhöhung, als vielmehr ein besserer Betreuungsschlüssel im Fokus. "Die Gewerkschaft wäre zudem gut damit beraten, nicht zu viele Baustellen auf einmal aufzumachen und solche Themen stattdessen in die normale Tarifrunde zu packen", rät Lesch. Der Sonder-Tarifkonflikt im Sozial- und Erziehungsdienst habe Verdi viel Kraft und auch sehr viel Geld gekostet. Allerdings zeigt sich auch, dass sich damit Mitglieder mobilisieren lassen. Laut Verdi 27.000 durch die Streiks. Die gilt es aus Gewerkschaftssicht nun zu halten.

(maxi)