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Athen: IWF-Chefin empört die Griechen

Athen : IWF-Chefin empört die Griechen

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat mit harten Worten zu Griechenland für Empörung in dem Schuldenstaat gesorgt. Lagarde hatte in einem Interview mit der britischen Zeitung "Guardian" die Griechen wegen ihrer schlechten Steuermoral kritisiert und dabei gesagt, sie denke mehr an die Kinder im afrikanischen Niger als an die Menschen in Athen.

"Das Letzte was wir brauchen, ist das Mitleid der Frau Lagarde", sagte gestern Alexis Tsipras, der Chef der radikalen Linkspartei. Abgesehen von vielen Reichen zahlten die meisten Griechen ihre Steuern. Der Chef der Sozialisten, Evangelos Venizelos, rief Lagarde auf, sich besser zu überlegen, was sie sage, und ihre Aussage zurückzunehmen.

Lagarde hatte zuvor erklärt: "Ich sorge mich mehr um die Kinder in einem kleinen Dorf in Niger, die nur zwei Stunden Unterricht am Tag haben und sich zu dritt einen Stuhl in der Schule teilen. Sie brauchen viel mehr unsere Hilfe als die Menschen in Athen." Es sei Zeit, dass das Land seine Gegenleistung für die internationalen Milliardenhilfen erbringe.

Das scheint langsam auch eine Mehrheit der Griechen einzusehen. Über Pfingsten zeichnete sich in mehreren Umfragen zur anstehenden Parlamentswahl ein Vorsprung für die Parteien ab, die den verabredeten Sparkurs fortsetzen wollen. Danach liegt die konservative Nea Demokratia knapp vor den Spar-Gegnern der linksradikalen Syriza. Zusammen mit dem bisherigen Koalitionspartner, der sozialistischen Pasok, käme die Nea Demokratia auf eine knappe Mehrheit im neuen Parlament. In Griechenland muss am 17. Juni neu gewählt werden, nachdem die Parteien es nach der vorigen Wahl Anfang Mai nicht schafften, eine Regierung zu bilden. Sollten bei der Abstimmung die Gegner der mit den Geldgebern vereinbarten Sparprogramme gewinnen, droht Griechenland ein Ende der internationalen Hilfen und damit ein Ausscheiden aus der Euro-Zone.

Touristen sollen Bares mitnehmen

Ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Währungszone beschäftigt auch die Reisebranche. Der TUI-Konzern rät Touristen, viel Bargeld nach Griechenland mitzunehmen und sich damit für ein Versiegen des Geldstroms zu wappnen. Dies gelte vor allem für Reisende ohne Pauschal-Vertrag und für den Fall, dass die mögliche Versorgung mit der Drachme noch nicht in ganz Griechenland gewährleistet ist, erklärte TUI-Manager Markus Bruchmüller.

(RP)